In der Metallindustrie verstärkt die Gewerkschaft gleich nach Allerheiligen mit Betriebsversammlungen den Druck auf die Arbeitgeber. Bei den Eisenbahnern gibt es ebenfalls ab 2. November Betriebsversammlungen in mehreren Bundesländern. Von 8. bis 10. November ist dann die Sozialwirtschaft mit rund 580 Organisationen, in denen viele Pflege-, Sozial- und Gesundheitskräfte und österreichweit insgesamt rund 130.000 vorwiegende weibliche Beschäftigte tätig sind, an der Reihe. Mit Betriebsversammlungen, einer Demonstration in Wien und Aktionstagen wird bundesweit der Forderung nach einer Erhöhung der Löhne um 15 Prozent und einem Mindestbetrag von 350 Euro Nachdruck verliehen. "Wir haben in vielen Bereichen einen Nachholbedarf", betont Gewerkschafts-Chefverhandlerin Eva Scherz im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". 

Die Zahl der betroffenen Mitarbeiterinnen, der Großteil sind Frauen, ist ähnlich hoch wie jener in der Metallindustrie. Bei der vorerst letzten Verhandlungsrunde vor knapp zwei Wochen hat die Arbeitergeberseite der Sozialwirtschaft mit Chefverhandler Walter Marschitz das Gehaltsangebot auf 7,5 Prozent sowie einen Mindestbetrag von 150 Euro erhöht. Damit würden die niedrigsten Einkommen um 8,7 Prozent erhöht, rechnen die Dienstgebervertreter vor. Diese sehen in einem raschen Abschluss der Lohnrunde vor allem auch ein wichtiges Zeichen an die Mitarbeiter, von denen ein Teil während der Corona-Krise einen Job außerhalb ihrer bisherigen Branche angenommen haben. 

"Kolleginnen sind nach Pandemie fix und fertig"

 

"In unserem Bereich sind die Kolleginnen nach zweieinhalb Jahren Pandemie fix und fertig", hebt die Gewerkschafterin der Privatangestellten (GPA), Scherz hervor, die gemeinsam mit der Dienstleistungsgewerkschaft Vida für die Arbeitnehmer verhandelt. Neben dem Nachholbedarf gehe es "auch um ein Zeichen der Wertschätzung", führt sie als Begründung für die Forderung nach einer Anhebung der Gehälter um 15 Prozent an. Für Marschitz liegt das "jenseits aller Vorstellungen". Erich Fenniger verweist von Arbeitgeberseite darauf, dass man im Gegensatz zu anderen Branchen die volle Abgeltung der durchschnittlichen Inflationsrate bereits zu Beginn außer Streit gestellt habe.

Die nächste Verhandlungsrunde für die Sozialwirtschaft ist für 16. November angesetzt. Davor kommt es unterschiedlich je nach Bundesland und Bereich zu Aktionen, wobei aber die Pflege und Betreuung von Menschen jedenfalls sichergestellt sein wird. Anders ist das bei den 2200 Freizeitpädagoginnen in Wien, die ebenfalls in die Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialwirtschaft fallen und am 8. November, wie bereits berichtet, de facto streiken werden. Die Pflichtschullehrergewerkschaft hat in einem Schreiben an die Bildungsdirektion Wien schon klargestellt, dass man aus Solidarität nicht als Ersatz für die Nachmittagsbetreuung einspringen werde. Damit wird dieser Tag zum Problem für die Eltern.

Demonstration am 8. November

 

Ab 14.30 Uhr kommt es am 8. November zu einer Protestkundgebung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Sozialwirtschaft vom Westbahnhof auf den Ballhausplatz vor das Bundeskanzleramt. Am 9. November ist neben weiteren Betriebsversammlungen in den Bundesländern eine Aktionstag in der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten vorgesehen. In Kärnten wird eine Lichter-Aktion vorbereitet.

 Neben der Gehaltsrunde geht es bei den Kollektivvertragsverhandlungen um weitere Detailforderungen, darunter um eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit. Auch in dieser Frage sind die Fronten verhärtet. Seit Beginn des heurigen Jahres gilt die 37-Stunden-Woche. Die Forderung der Gewerkschaft zielt in Etappen auf eine 35-Stunden-Woche.