Rechtzeitig vor der Geburt ihrer Tochter 1998 wurde ein Sozialfonds eingerichtet, aus dem das Wochengeld und das Karenzgeld finanziert wurden. Karenz wäre zwar eine Möglichkeit gewesen, die sie aber nicht in Anspruch nahm. Nach der Geburt ihres Sohnes 2005 konnte Schuller-Köhler zumindest ein halbes Jahr Babyzeit nehmen. Damals wurde - unabhängig von der tatsächlichen Karenzdauer - ein Jahr für die Wartezeit angerechnet, seit heuer sind es immerhin zwei Jahre gesamt für alle Kinder.

Vielleicht ist es die bessere Vereinbarkeit, vielleicht ist es der allgemeine Wandel der Gesellschaft: Auch bei den Notarinnen bewegt sich etwas. Mittlerweile nähert sich der Anteil der weiblichen Notariatskandidaten in einigen Bundesländern der 50-Prozent-Marke, in Oberösterreich gibt es sogar mehr Kandidatinnen als Kandidaten. Das hat laut Schuller-Köhler auch damit zu tun, dass die Branche flexibler wird: Früher war man über Jahre in derselben Kanzlei - eine Frau einzustellen war stets mit dem Makel des potenziellen Ausfalls durch Schwangerschaft behaftet. Nun geht der Wechsel schneller, auch ein Mann kann durch berufliche Umorientierung ausfallen. Die Erwartungshaltung der Bevölkerung ändert sich nur langsam: "In der Öffentlichkeit stellt man sich einen Notar immer als älteren Herrn vor", sagt Schuller-Köhler. Sie persönlich hatte kaum mit Ressentiments zu kämpfen. Nur als Berufsanfängerin löste sie mitunter Erstaunen aus, dass eine Frau und nicht ein Mann das juristische Fachwissen hatte.

Während sie als "Working Mum" von ihrer Familie immer Rückhalt bekommen hat, musste Schuller-Köhler dennoch gelegentlich mit dem schlechten Gewissen kämpfen, wenn sie ihre Kinder erst nach fünf Uhr aus der Nachmittagsbetreuung abholen konnte. Der Vorwurf "ich bin zu Hause, ich bin für mein Kind da" anderer Mütter habe sie vor allem geärgert - "nur weil ich nicht zu Hause bin, heißt das nicht, dass ich nicht für meine Kinder da bin".

Zu große Ansprüche
an sich selbst

Manchmal wäre es netter gewesen, um 14 Uhr schon mit den Kindern im Schwimmbad zu sitzen statt im heißen Büro. Dafür sind diese Frauen heute im Fall einer Trennung nicht abgesichert. In solchen Situationen fühlt sich die 49-Jährige bestätigt, dass ihr eigenständiger Weg der richtige war. Sowohl ihr Mann als auch sie selbst könnten im Falle einer Trennung ohne existenzielle Nöte leben. Nicht, dass es immer einfach war. Denn trotz aller Gleichberechtigung: "Der Anspruch, den Frauen an sich selbst stellen, einen perfekten Haushalt zu führen, perfekte Kinder und einen perfekten Job haben zu müssen, geht zu Lasten der Gelassenheit", sagt die Notarin. "Natürlich habe ich mir manchmal mit Blick auf den Job bei der Stadt gedacht: ‚Ich hätte es mir ja leichter machen können.‘ Andererseits hat mir mein Beruf immer Spaß gemacht, das auch eine Form des Ausgleichs."