Lexfox. Gemäß einer Entscheidung des deutschen Bundesgerichtshofs sind Angebote von Internet-Dienstleistern zur Durchsetzung von Verbraucherrechten zulässig. Die Legal-Tech-Branche begrüßt auch in Österreich diese Entscheidung, Kritiker sehen die Grundfesten des anwaltlichen Berufsrechts erschüttert. Lexfox, früher Mietright, ist ein deutsches Legal-Tech-Start-up und ermöglicht Mietern auf seiner Website wenigermiete.de, die Höhe der von ihnen gezahlten Mieten zu überprüfen: Über ein Online-Rechentool wird die gezahlte Miete mit einer um zehn Prozent erhöhten ortsüblichen Miete verglichen. Bei überhöhter Miete kann der Mieter Lexfox den Auftrag zur Geltendmachung seiner Ansprüche gegenüber dem Vermieter erteilen und die Ansprüche an Lexfox abtreten. Lediglich im Erfolgsfall erhält Lexfox vom Mieter eine Provision. Der CEO von Lexfox, Daniel Halmer, ist zwar Rechtsanwalt, wenigermiete.de agiert allerdings als Inkassounternehmen.

In Österreich ist ein solcher Service (aufgrund des komplizierten Mietrechts) schwierig umsetzbar; dennoch erwarten Thomas Seeber, Partner bei Kunz Wallentin Rechtsanwälte, und Rechtsanwaltsanwärterin Una Campara, "dass spannende Geschäftsmodelle auch den Rechtsmarkt in Österreich digital schneller und günstiger machen. Wir sind als Anwälte überzeugt, dass diese Entwicklung auch durch die teils sehr fortschrittskritischen Rechtsanwaltskammern nicht aufgehalten werden kann." In Österreich komme bei der in Deutschland bereits hitzig geführten Debatte über dieses Urteil allerdings ein weiterer Aspekt hinzu: Die Winkelschreiberei-Verordnung verbietet eine entgeltliche Rechtsberatung respektive Rechtsvertretung, die ohne Befugnis (etwa als Anwalt) erfolgt. Kritiker sehen in der Ausschaltung von Anwälten und deren besonderen Berufspflichten den Schutz von Mandanten und letztlich der Rechtspflege als gefährdet.