Allerdings sind unter anderem Billard, Bowling, Curling, Darts, Frisbee, (Mini-)Golf und auch Denksportarten (etwa Schach, Skat oder Bridge) anerkannte Sportarten in einzelnen Bundesländern in Österreich. Die körperliche Komponente ist in diesen Sportarten unterschiedlich stark ausgeprägt, jedoch deutlich geringer als bei körperintensiven Sportarten. eSports ist mit diesen Sportarten zumindest auf gleichem Level stehend anzusehen.

Körperliche Komponenten wie Fingerfertigkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und Hand-Auge-Koordination sind auch beim eSport essenzielle Erfolgsvoraussetzungen. Nachdem viele eSports-Matches über einen längeren Zeitraum und mehrere Runden ausgetragen werden, spielt die körperliche Fitness zur Aufrechterhaltung der Konzentrationsfähigkeit eine entscheidende Rolle. Hinzu kommt, dass eSport auch einem Vergleich mit klassischen Denksportarten wie zum Beispiel Schach ohne weiteres standhält. Wie bei diesen geht es nämlich auch bei vielen eSports-Disziplinen, wie vor allem etwa LoL, Dota 2 oder Hearthstone, zentral um den Wettbewerb der Konzentrations- und Kombinationsfähigkeit.

In Deutschland einen Schritt weiter

Auch ein Blick nach Deutschland lohnt sich. Dort wurde Anfang 2018 der erste reine eSports-Verein, Leipzig eSport e.V., als gemeinnützig anerkannt. Der Verein bietet in seinem Vereinsheim nicht nur regelmäßiges Training in verschiedenen eSports-Titeln, sondern auch Streaming- und Viewingmöglichkeiten an. Der Verein konnte sich durch seine vorbildliche Jugendarbeit mithilfe von eSport die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch "Förderung der Jugendhilfe" sichern, fällt somit gar nicht in der Kategorie Körpersport. Allerdings weht dem eSport auch in Deutschland rauer Wind entgegen, weil der Deutsche Olympische Sportbund nur jene Spiele als anerkennungstauglich ansieht, die ein Pendant im klassischen Sport haben, wie Fußball, Eishockey oder Ähnliches. Am Ende wird es schwierig, sich dem Trend zu widersetzen, und somit sollte regulativ sinnvoll vorgegangen werden.

Österreichische Lösung kontraproduktiv

Schlussendlich wird der Verwaltungsgerichtshof eine wegweisende Entscheidung zu treffen haben. Dieser Weg ist für die eSports-Community alles andere als leicht. Das Finanzamt entscheidet erst im Rahmen der Steuerprüfung mit Beschluss, ob ein Rechtsträger gemeinnützig ist oder nicht. Die eSports-Vereine operieren also auf ungewisser Basis, gewissermaßen im Schatten des Damoklesschwerts der Finanz. Der Bescheid des Finanzamtes kann im Anschluss vor dem Bundesfinanzgericht und schlussendlich beim Verwaltungsgerichtshof bekämpft werden: teure Rechtsverfahren, die sich die junge eSports-
Community nur schwierig leisten kann.

Derzeit heißt die "österreichische Lösung", den gefährdeten Verein mit neuen Statuten im Zuständigkeitsbereich eines Finanzamtes anzumelden, das dem Phänomen eSports freundlicher gegenübersteht. Dabei handelt es sich aber um eine Lösung mit Ablaufdatum. Betroffene oder bedrohte eSports-Vereine rüsten sich derzeit für Musterverfahren.