2016 gab es den offiziell ersten tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto: Der Mann darin starb, als sein Auto mit einem Lkw zusammenstieß, weil das System diesen offenbar für ein Straßenschild gehalten hatte. Wer haftet?

Hier haftet grundsätzlich der Hersteller. Inwieweit der Fall in Amerika vorangeschritten ist, kann ich aber nicht sagen. Klar ist - und das ist der Unterschied zwischen den USA und Europa -, dass neue Fahrzeughersteller, die auf automatisiertes Fahren spezialisiert sind, testen ohne Ende und Unfälle vermutlich in Kauf nehmen müssen. Alteingesessene, zum Beispiel deutsche, Hersteller haben dagegen schon einen Ruf und gehen wohl eher erst mit wirklich serienreifen Konzepten raus.

Falls es eine "Black Box" gibt, die alle relevanten Daten und Parameter aufzeichnet - darf man diese vor Gericht verwenden?

Das ist die Frage. Auch, ob sie die Daten die ganze Zeit aufzeichnet beziehungsweise in welchem Zeitraum. Da spielen datenschutzrechtliche Aspekte hinein.

Betrachtet man die autonomen, öffentlichen Verkehrsmittel - wie könnte man potenziellem Vandalismus künftig rechtlich begegnen?

Das wird sicher Thema werden, wenn die Fahrzeuge unbeaufsichtigt unterwegs sind. Aber wenn zum Beispiel eine Kamera drin ist, ist das Risiko vielleicht geringer. Big brother ist watching you.

Welche Länder sind beim automatisierten Fahren schon weiter?

Australien ist nicht schlecht. Auch die Niederlande sind vorn mit dabei, insbesondere der Hafen Rotterdam, wo es primär um Zustellungen vom Hafen geht.

Kann man die Gesetzeslage in den Niederlanden mit unserer vergleichen und sich ansatzweise daran orientieren?

Das ist schwierig zu vergleichen, weil es unterschiedliche Vorgaben beziehungsweise eine unterschiedliche Ausgangslage gibt. Was es einfacher machen würde, und das wäre der nächste Schritt, wäre, zu sagen: Wir haben eine nationale Idee und heben sie auf EU-Ebene. Das ist immer vernünftig.

Was bedeutet das Voranschreiten der automatisierten Mobilität für Anwälte - in welchen Belangen könnten sie künftig vermehrt zum Einsatz kommen?

Es geht - genauso wie in der Autobranche - um Vertragsrecht, um die Vertragsgestaltung und zivil- und verwaltungsrechtliche ganz allgemeine Beratung. Also zum Beispiel um die zivilrechtliche Haftungsthematik und die Versicherungsthematik. Verwaltungsrechtlich ist interessant: Was ist überhaupt in welchem Land möglich, wo darf ich mit welchem Fahrzeug unterwegs sein? Und wie schnell?