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Das Thema der Nachhaltigkeit hat im Vorjahr für viele heimische Leitbetriebe an Bedeutung gewonnen. Denn sie mussten des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetzes (NaDiVeG) wegen erstmals sogenannte "nichtfinanzielle Berichte" (vulgo "Nachhaltigkeitsberichte") erstellen. Damit geht die Verpflichtung einher, umfassend und transparent über die Nachhaltigkeitsleistung - entlang der gesamten Wertschöpfungskette - und deren Verknüpfung mit der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen zu berichten. Einer breiten Öffentlichkeit können dadurch tiefgehende Einblicke in Geschäfts- und Managementpraktiken gewährt werden.

Die Fakten sprechen allerdings nicht dafür, dass diese Vorgaben von den berichtspflichtigen Unternehmen mit besonderer Ernsthaftigkeit verfolgt wurde: Die zur ersten "Berichts-Saison" des NaDiVeG veröffentlichten akademischen Studien zeigen für Österreich große Defizite auf, auch im internationalen Vergleich. Die Berichte sind von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich gestaltet und häufig von Oberflächlichkeit geprägt; Konkretes (zum Beispiel Leistungsindikatoren, Zielwerte oder Benchmarks) oder gar Kritisches wird regelmäßig ausgespart.

Aus bilanzrechtlicher Sicht besonders gravierend: Teilweise scheinen offensichtliche Rechtsbrüche in den Berichten auf. Sogar aus dem Wirtschaftsprüfer-Umfeld wurden zuletzt durchwegs kritische Studien vorgelegt, die aufzeigen, auf wie vielfältige Weisen die österreichischen Unternehmen den Gesetzesrahmen aus- und überdehnt bis schlicht ignoriert haben. Die Existenz der letztgenannten Studien ist insofern bemerkenswert, als ihre Autoren als teilweise sehr akquisitionsstarke Berater und Prüfer zu einem wesentlichen Teil mitverantwortlich sind für den verheerenden Status quo.

Erste Konflikte
treten an die Öffentlichkeit

Anders betrachtet ist dies aber ein besonders deutlicher Indikator dafür, wie unübersehbar das Problem ist. Nicht zuletzt deswegen wurde die nichtfinanzielle Berichterstattung zum Schwerpunkt für das Enforcement ("Bilanzpolizei") erkoren - was über die Landesgrenzen hinweg für Aufsehen gesorgt und kein besonders positives Bild von den hiesigen Zuständen gezeichnet hat.

War das Thema in Österreich in den ersten Jahren bloß einer überschaubaren Fachöffentlichkeit bewusst, ist es in den vergangenen Monaten aus den genannten Gründen immer präsenter geworden. Auch wenn dies nicht im Sinne aller involvierten Akteure war und ist, was nicht zuletzt dem Strafrahmen geschuldet sein mag, der diesen droht.