Im Sommer 2018 verhängte die Kommission Strafen über vier Hersteller von Elektronikartikeln (Asus, Denon & Marantz, Philips und Pioneer) von insgesamt 111 Millionen Euro (bereits nach einem 40-prozentigen Nachlass für Kooperation) für die Festsetzung von Fest- oder Mindestverkaufspreisen für Händler. Die vier Hersteller agierten besonders gegenüber Online-Einzelhändlern, die ihre Produkte zu niedrigen Preisen anboten. Wer sich nicht an die von den Herstellern verlangten Preise hielt, sah sich mit Sanktionen konfrontiert, wie etwa einem Belieferungsstopp. Viele Online-Einzelhändler setzen Preisalgorithmen ein, durch die ihre Einzelhandelspreise automatisch an die Preise der Wettbewerber angepasst werden. Daher wirkten sich Beschränkungen für die Online-Einzelhändler segmentübergreifend aus.

Im September 2018 hat die Kommission eine Untersuchung gestartet, in der geprüft wird, ob Amazon gleichzeitig als Drittplattform für andere Onlinehändler und daneben als Eigenhändler tätig sein kann und wie Amazon die diesbezüglichen Daten verwendet. In diesem Zusammenhang wird es auch zu Markterhebungen kommen.

Im Oktober 2018 verhängte die französische Wettbewerbsbehörde eine Strafe von sieben Millionen Euro gegen Stihl (auch Marke Viking) für die Beschränkung von Onlineverkäufen. Die Händler mussten die Produkte - Sägen, Motorsensen, Heckenscheren und Ähnliches - entweder im "brick and mortar"-Geschäft verkaufen oder sie selbst an Kunden ausliefern. Ein Verkauf über eigene oder fremde Webseiten wurde damit faktisch unterbunden. Stihl konnte keine EU-Sicherheitsauflagen zu Begründung für das Online-Verkaufsverbot anführen.

Ermittlungsverfahren
gegen Amazon eröffnet

Im Dezember 2018 verhängte die Kommission eine Rekordstrafe von annähernd 40 Millionen Euro (aufgrund des Kronzeugenprogrammes von ursprünglich 80 Millionen Euro reduziert für Zusammenarbeit) über das Modelabel "Guess" für rechtswidrige Beschränkungen für Wiederverkäufer, insbesondere (a) Minimum Wiederverkaufspreise, (b) Gebietsbeschränkungen (Geoblocking) und (c) Beschränkungen für Onlinewerbung. Die Kommission kritisierte auch, dass "Guess" die Kriterien für das selektive Vertriebssystem entgegen den Bestimmungen der VertikalGVO gefordert nicht objektiv angewendet hat.

Im Februar 2019 hat die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde gegen Amazon ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts von Verstößen gegen österreichisches und europäisches Kartellrecht eröffnet. Untersucht werden Beschwerden über:

unbegründetes und plötzliches Sperren von Händlerkonten,

Verpflichtung die Einkaufspreise offen zu legen,

Hinzufügen von unrichtigen Lieferangaben durch Amazon bei den Händlern,

unbegründeter Verlust von Produktrankings der Händler

und Gerichtsstandklauseln, die eine Klage erschweren.

Von der VertikalGVO und den damit zusammenhängenden Fragen ist nahezu jede Vertriebsorganisation betroffen, und entsprechend hoch sollte das Interesse und die Teilnahme sein. Die faktischen Informationen der Marktteilnehmer werden die Entscheidung beeinflussen, ob die VertikalGVO auslaufen oder verlängert und allenfalls verändert werden soll, um neuen Entwicklungen gerecht zu werden, insbesondere der verstärkten Bedeutung von Online-Verkäufen und dem Auftreten von neuen Marktteilnehmern wie Online-Plattformen.