Wien. Die Nordbahnhalle in Wien-Leopoldstadt ist ein Experiment. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung der Technischen Universität Wien wird sie sukzessive umgebaut. Sie soll zu einer Art Andockstation mit Schwerpunkt auf Vernetzung und kooperative Formen der Zusammenarbeit werden.

Dass die erste Vienna Legal Tech, eine Veranstaltung für Juristen zur Digitalisierung der Rechtsbranche, vergangenen Dienstag in der Nordbahnhalle stattfand, könnte bezeichnender nicht sein: Auch bei Legal Tech geht es um den schrittweisen Umbau. "Wie so viele Branchen wissen viele im Rechtsbereich ebenfalls noch nicht, welche notwendigen Strukturierungen auf sie zukommen", sagte Silke Graf, Head of Legal Tech bei PwC Legal, zu Beginn der Veranstaltung. Mit ihrem Verein "Disruption Disciplines" hat Graf die Vienna Legal Tech organisiert.

Werkzeugkasten für Juristen

Rund 120 Juristen und Expertinnen nahmen daran teil, um sich in Workshops und Diskussionen mit der Zukunft der Rechtsbranche auseinanderzusetzen. Entscheidende Fragen, die in der Nordbahnhalle mit ihrem Fabrikhallen-Flair im Raum standen, waren: Was muss man konkret tun, um seine Kanzlei zu digitalisieren? Welche Potenziale bietet die Technologie für Juristen? Und: Was bedeutet das für die Klienten? Ziel war auch, dass sich die Juristen, die sich damit auseinandersetzen, untereinander vernetzen.

"In erster Linie wollen die Juristen eine Art Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Umsetzung ihrer Projekte", sagte Christian Öhner, Gründer von "Disruption Disciplines" und Managing Partner bei PwC Legal. Die Veranstaltung sollte genau das bieten: Eine Art Werkzeugkasten, auf den man in jeder Phase eines Legal Tech Projekts zurückgreifen kann.

Angst davor zu haben, sei jedenfalls wenig sinnvoll, sagte Günther Dobrauz von PwC Legal Schweiz. Vielmehr müsse man versuchen, sich den Veränderungen zu stellen und die Vorteile zu lukrieren - mit der Intention, die Bedürfnisse des Marktes zu erkennen und ihn zu bedienen. "Derjenige, der die beste Technologie versteht und integriert, wird gewinnen", sagte er.

IT-Experten im Team

Einen Anwalt würden Roboter nie ersetzen. "Warum geht man zu einem Anwalt? Damit er einem die Hand auf die Schulter legt und sagt: ,Alles wird gut.‘" Ein Roboter könne das nicht, sagte Dobrauz.

Was sich allerdings schon verändert habe und weiter verändern werde, seien die Professionalitäten der Mitarbeiter einer Kanzlei. Bereits 15 Prozent seiner Mitarbeiter seien keine Juristen mehr, sondern IT-Experten, so Dobrauz. Die Anzahl der Juristen sinke ohnehin weltweit.

Ein klarer Vorteil, wenn Technologien Routinearbeiten übernehmen, seien zum Beispiel die geringeren Transaktionskosten, meinte Stephan Breidenbach, Mitgründer des Legal Tech Center in Berlin. Sobald es um das Bewerten einer Sachlage geht, werde es jedoch weiterhin den juristischen Verstand brauchen.