In der Praxis wird der Anleger mit einer solchen Information nicht allzu viel anfangen können. Dass die Bank für ihre Beratungstätigkeit ein Entgelt erhält und ein Interesse am Vertrieb der von ihr angebotenen Produkte hat, ist keineswegs verwerflich, sondern eine Selbstverständlichkeit. Die Offenlegung der Provision wird den Kunden zwar möglicherweise dazu verleiten, über die Höhe des Ausgabeaufschlages zu verhandeln, sie wird bei realistischer Betrachtung aber kaum etwas daran ändern, dass er auf die Empfehlung seines Beraters vertraut.

Abgesehen davon sind Interessenkonflikte im Geschäftsleben keineswegs ungewöhnlich. Ein Chirurg, der seinen Patienten über die Notwendigkeit und Risiken einer bestimmten Operation aufklärt, hat in der Regel ein wirtschaftliches Interesse daran, diese Operation durchzuführen; immerhin verdient er damit seinen Lebensunterhalt. Trotzdem käme kein Patient auf die Idee, vom Arzt eine Aufklärung darüber zu verlangen, wie viel er mit der Operation verdient. Mögliche Interessenkonflikte sind kein Grund, eine gesamte Branche unter Generalverdacht zu stellen. Und eine Bank kann schon aufgrund des enormen Haftungsrisikos kein Interesse daran haben, dem Anleger ein ungeeignetes Produkt zu empfehlen.

Besonders problematisch ist, dass die Gerichte dazu tendieren, schon die unterlassene Offenlegung der Provisionen für sich allein als haftungsbegründend anzusehen. Die Bank kann sich von ihrer Haftung nur befreien, wenn sie beweist, dass sie das Anlageprodukt auch ohne die verdeckte Provision empfohlen hätte. Darauf kommt es in Wahrheit aber nicht an. Denn der Schaden des Anlegers besteht schließlich darin, dass er ein ungeeignetes (weil zu riskantes) Produkt erworben hat. Dass die Bank für die Vermittlung eine Provision erhält, macht das Anlageprodukt für den Kunden aber noch lange nicht ungeeignet.

Risikobereitschaft des Kunden

Entscheidend ist daher, ob die Veranlagung den Erwartungen und der Risikobereitschaft des Kunden entspricht. Wenn die Bank ein ungeeignetes Produkt empfiehlt, haftet sie für den entstandenen Schaden, und zwar unabhängig davon, ob sie eine "Kick-back"-Zahlung erhalten (und diese offengelegt) hat oder nicht. Hat die Bank den Anleger hingegen trotz Interessenkonflikt ordnungsgemäß aufgeklärt, ist sie nicht dafür verantwortlich, wenn der Kunde mit seinem Investment einen Verlust erleidet.

Der geschädigte Kunde darf sich zwar freuen, er bekommt seinen Verlust von der Bank ersetzt. Ob diese Rechtsprechung auf lange Sicht tatsächlich im Interesse der Anleger ist, darf allerdings bezweifelt werden. Denn entweder die Banken überlassen das Feld unseriösen Anbietern, die ihre Kunden mit unrealistischen Versprechungen locken und dann im Schadensfall meistens rasch in die Insolvenz schlittern, oder sie müssen das Haftungsrisiko einkalkulieren und die Ausgabeaufschläge entsprechend erhöhen. Im Anlassfall beispielsweise wäre die Vermittlung für die Bank bei einem Ausgabeaufschlag von drei Prozent nicht einmal kostendeckend gewesen.