Die sich aufdrängende Frage, was allerdings konkret unter "sinngleichen Informationen" zu verstehen ist, stellt auch der Generalanwalt: Nach seinem Verständnis liegt entsprechende Sinngleichheit etwa dann vor, wenn die Information einen Schreibfehler, einen anderen Satzbau oder eine andere Zeichensetzung enthält. Auf Wörter oder Wendungen etwa, die nur anders lauten als die als rechtswidrig eingestufte Information, denen jedoch im Wesentlichen dieselbe Bedeutung zukommt, bezieht sich der Generalanwalt aber nicht ausdrücklich.

Auch wenn die Schlussanträge an den EuGH im Wesentlichen zugunsten der von ehrverletzenden Postings Betroffenen ausfallen und für Betreiber Sozialer Medien einen entsprechenden Aufwand mit sich bringen, ist aus deren Sicht immerhin zu begrüßen, dass der Generalanwalt nichts technisch, organisatorisch oder wirtschaftlich völlig Unmögliches verlangt: Er begründet die umfassende Verpflichtung bezüglich der Entfernung wortgleicher Postings zutreffend damit, dass eine solche Filterung vollautomatisiert möglich sein sollte.

Eine Identifizierung sämtlicher sinngleicher Informationen aller Nutzer dagegen sei nur unter Einsatz hochentwickelter, kostspieliger Lösungen möglich. Es verbliebe zwar dann immer noch die Pflicht zur Entfernung sinngleicher Informationen des Posters der als rechtswidrig eingestuften Information selbst; der daraus entstehende Aufwand, der womöglich nur durch einen kombinierten Einsatz automatisierter Verfahren und einer entsprechenden manuellen Überprüfung zu bewältigen ist, scheint aber vertretbar. Dies gilt entsprechend auch für jene Fälle, in denen beim Betreiber eine Meldung zu einer konkreten sinngleichen Behauptung einlangt, auch wenn diese von einem anderen Nutzer aufgestellt wurde als von jenem, der die ursprüngliche, rechtswidrige Information gepostet hatte.

Auswirkungen nicht nur auf "klassische" Hosting-Provider

Abzuwarten bleibt nun, ob beziehungsweise inwieweit sich der EuGH der sachlich durchaus differenzierenden Sichtweise des Generalanwalts anschließen wird. Klar ist jedoch, dass die Beantwortung der Vorlagefragen Auswirkungen nicht nur auf Anbieter "klassischer" Sozialer Netzwerke, sondern auch auf andere Hosting-Provider wie etwa Betreiber von Diskussions- oder Bewertungsplattformen haben wird.