Das österreichische Gesetz kennt keine Parallelnormen zur Class Action in den USA, es haben sich aber im Wesentlichen tatsächlich zwei ähnliche Rechtsinstitute herausgebildet: die österreichische Sammelklage und die Verbandsklage. Die Verbandsklage steht nur in wenigen gesetzlich genannten Fällen zu und kann nur durch die dort aufgezählten Verbände (zum Beispiel der Verein für Konsumenteninformation oder Wirtschaftskammer Österreich) durchgesetzt werden. Überdies können durch die Verbandsklage keine Leistungsklagen wie etwa Schadenersatzklagen durchgesetzt werden, weswegen ihr Anwendungsbereich wesentlich enger als jener der US-amerikanischen Class Action ist und hier nicht näher behandelt wird.

Der Terminus der Sammelklage ist dem österreichischen Gesetz eigentlich fremd. Mit dieser Vorgangsweise übertragen lediglich alle potenziellen Kläger ihre Ansprüche auf eine Gesellschaft oder einen anderen Rechtsträger. Diese Gesellschaften oder Rechtsträger setzen alle Ansprüche in einem Verfahren gegen die beklagte Partei durch. Im Detail bestehen weiterhin einige offene Fragen, nichtsdestotrotz hat vor allem der Verein für Konsumenteninformation einige Verfahren auf dieser Grundlage geführt (und auch gewonnen).

Es bestehen jedoch zahlreiche Unterschiede zwischen der österreichischen Sammelklage und der US-amerikanischen Class Action. Einer österreichischen Sammelklage muss man sich aktiv anschließen, es ist daher die Identität jedes Klägers (gerichts-)
bekannt. Somit können sich auch die Urteilswirkungen nur auf jene Kläger erstrecken, die sich aktiv angeschlossen haben.

Zum Unterschied dazu muss man nach US-amerikanischem Recht üblicherweise aus der Klasse optieren, um von den Urteilswirkungen nicht erfasst zu werden. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Thematik der Verjährung von Ansprüchen. Nach US-amerikanischem Recht wird die Verjährung der Ansprüche aller Mitglieder der Klasse unterbrochen, sobald die Class Action vom Gericht anerkannt wurde. Die Verjährung wird in Österreich jedoch nur für jene Kläger unterbrochen, die sich der österreichischen Sammelklage angeschlossen haben. Somit kann eine österreichische Sammelklage in den seltensten Fällen beobachtet werden, um dann erst zu entscheiden, ob man das Risiko einer Klagsführung auf sich nimmt.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass nach österreichischem Recht und der Europäischen Grundrechtecharta jeder Partei in einem Verfahren entsprechendes Gehör zukommen muss. Die Class Action verzichtet auf dieses Gehör der Mitglieder der Klasse.

Initiative auf EU-Ebene zum Schutz von Kollektivinteressen

Die österreichische Rechtsordnung hat somit ihre eigene Art des kollektiven Rechtsschutzes herausgebildet, die zwar gewisse Gemeinsamkeiten mit der US-amerikanischen Class Action aufweist, sich aber in einigen Punkten wesentlich davon unterscheidet. Es gibt allerdings eine Initiative auf EU-Ebene, eine Verbandsklage zum Schutz von Kollektivinteressen für die Durchsetzung von EU-Recht einzuführen.

Letztlich wird es auch von der Zusammensetzung der diversen Gremien in der EU nach der unlängst erfolgten EU-Wahl abhängen, ob beziehungsweise in welcher Form eine solche Sammelklage allenfalls verabschiedet wird. Derzeit ist wohl nicht damit zu rechnen, dass die US-amerikanische Class Action nachgebildet wird.