"Das Risikomanagement ist zur Grundlage jeder Vorstandsentscheidung geworden und im Sinne aller Stakeholder unerlässlich." Das meinte einer der befragten Vorstände in der Studie "In the Boardroom: Risk Governance Review", die von Eversheds Sutherland in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Oxford Economics durchgeführt wurde. Dabei wurden rund 400 Vorstände und Aufsichtsräte weltweit zur Rolle des Risikos bei ihrer Entscheidungsfindung befragt. Die überwiegende Anzahl der Interviewten gab dabei an, dass jede ihrer Entscheidungen zumindest indirekt von Risiko beeinflusst wird. Gleichzeitig sind sie größtenteils davon überzeugt, bereits jetzt alles Notwendige zu tun, um Risiken in ihrem Unternehmen zu identifizieren und minimieren.

Unterschiedliche Einschätzung je nach Branche und Region

Sieht man sich die Ergebnisse der Studie an, wird klar, dass die Vorstände je nach geografischer Lage, die verschiedenen Arten von Risiken unterschiedlich priorisieren. So gaben knapp die Hälfte aller Vorstände in Nordamerika und im Nahen Osten an, dass das Cyberrisiko (das Gefährdungsrisiko durch Viren und Angriffen aus dem Internet etc.) für sie die größte Bedrohung darstelle. Zwar betrachten Vorstände aus anderen Regionen dies ebenfalls als ernstzunehmende Gefahr, dennoch sind für Vorstände aus Europa und Lateinamerika die operationalen Risiken (wie Geräteausfall, Versagen von internen Verfahren, Systemen oder Mitarbeitern des Unternehmens etc.) am immanentesten. In Asien wiederum messen Vorstände dem Finanzrisiko die größte Bedeutung zu.

Silva Palzer ist Partnerin und Rechtsanwältin bei Eversheds Sutherland. - © Stefan Gergely
Silva Palzer ist Partnerin und Rechtsanwältin bei Eversheds Sutherland. - © Stefan Gergely

Zudem zeigt die Studie, dass der Umgang mit Risiken wesentlich davon abhängt, in welcher Branche das Unternehmen tätig ist. So zwingen die strengen Compliancevorschriften Unternehmen in stark regulierten Sektoren wie der Finanz- oder Pharmabranche, sich intensiv mit operationalen Risiken auseinanderzusetzen. Im Gegensatz dazu müssen sich Unternehmen, deren Businessmodell durch die digitale Transformation bedroht wird, wie etwa Medien- und Handelsunternehmen, auf die daraus resultierenden strategischen Risiken fokussieren.

Der digitale Wandel wird als Risiko oder Chance gesehen

Mario Tiefenbacher ist Rechtsanwaltsanwärter bei Eversheds Sutherland. - © Stefan Gergely
Mario Tiefenbacher ist Rechtsanwaltsanwärter bei Eversheds Sutherland. - © Stefan Gergely

Die Auswirkungen der digitalen Transformation machen vor beinahe keiner Branche halt. Diesbezüglich identifizieren die Befragten vor allem zwei unterschiedliche Risikoszenarien: Das erste ist die Bedrohung durch branchenfremde Rivalen, sogenannte Digital Natives, die plötzlich einfallen und das eigene Geschäftskonzept auf den Kopf stellen. Das zweite sind die potenziellen Opportunitätskosten, die entstehen, wenn Unternehmen es vernachlässigen, neue Technologien in ihre Langzeitwachstumsstrategie zu integrieren.