Mindestannahmeschwelle

Ein weiterer Unterschied ergibt sich aufgrund der gesetzlichen Mindestannahmeschwelle. In Österreich sind auf Kontrollerlangung gerichtete Übernahmeangebote gesetzlich dadurch bedingt, dass zumindest 50 Prozent der Angebotsadressaten das Angebot annehmen. Dabei wird ein Launching Pad (Aktien, die der Bieter oder mit ihm gemeinsam vorgehende Rechtsträger bei Abgabe des Angebots bereits halten) nicht mit eingerechnet. Hält der Bieter etwa 19,9 Prozent (wie ams an Osram), müsste das Übernahmeangebot in Österreich zwingend auf den Erwerb von zumindest weiteren 40,05 Prozent, insgesamt daher auf 59,95 Prozent gerichtet sein. In Deutschland besteht keine vergleichbare zwingende Mindestannahmeregelung. Einzige Voraussetzung ist, dass der Bieter nach dem Angebot die Kontrolle über die Gesellschaft erlangt, weshalb es ams auch möglich ist, das Angebot bereits bei 55 Prozent für erfolgreich zu erklären.

Somit ergibt sich: Unterschiede in Rechtslage und Praxis des Übernahmerechts in Deutschland und Österreich würden eine Bieterin zwingen, anders vorzugehen. Daher sind Lehren der Fallstudie ams/Osram 2019 auf Österreich nicht eins zu eins übertragbar.