Das heißt jedoch nicht, dass Unternehmen über keine Marktmacht verfügen. Darauf deuten oft die Unternehmens- und Aktienwerte hin. Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde BWB reagierte im Jahr 2017 darauf und führte eine neue Fusionsschwelle ein, die ihren Fokus nicht nur auf den Umsatz, sondern auch auf den Transaktionswert legt. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Margrethe Vestager, die eine zweite Amtszeit als EU-Kommissarin für Wettbewerb antreten wird, hat angekündigt, dass die derzeitigen Ansätze zur Marktmacht überdacht werden müssen, weil Marktanteile in einer datengetriebenen Wirtschaft keine wirkliche Aussagekraft hätten.

Um Analysen in der digitalen Wirtschaft zu ermöglichen, müssen auch die Parameter zur Eingrenzung des Marktes überdacht werden. Daher sollten auch andere Elemente wie Kauf- beziehungsweise Verkaufsmacht der betroffenen Unternehmen und Höhe des Anteils der vertikal integrierten Unternehmen betrachtet werden. In der Wissenschaft wird aktuell darüber diskutiert, ob auch Datenkenntnisse des Unternehmens in die Einschätzung miteinbezogen werden. Ein digitales Unternehmen könnte beispielsweise andere Wettbewerber aus dem Markt ausschließen, weil es etwa über spezifische Daten verfügt und diese zur Verbesserung der Produkte und Dienstleistungen nutzt.

Die Wettbewerbsbehörden sollten in Zukunft die Geschäftsmodelle der zu untersuchenden Unternehmen und die Märkte, in denen diese tätig sind, besser kennenlernen. Beim Kauf von WhatsApp durch Facebook im Jahr 2014 scheint die Kommission nicht daran gedacht zu haben, dass WhatsApp nicht aus ökonomischen Effizienzgründen oder zur Steigerung der Marktmacht von Facebook übernommen worden sein könnte. Facebook zahlte 19 Milliarden Euro für das Unternehmen, dass 2013 etwa neun Millionen Euro Gesamtumsatz aufwies und einen Nettoverlust von 128 Millionen Euro erzielt hatte. WhatsApp hatte aufgrund der Datenschutzerklärung nicht einmal eine große Datenmenge sammeln können.

Der offensichtlichen Frage, ob Facebook eventuell einen Wettbewerber vom Markt nehmen wollte, ging die Kommission nicht nach. Es ist zu bezweifeln, dass die Kommission wirklich ein klares Verständnis vom Markt hatte. In solchen Fällen wäre eine Analyse der Motive bei der Kaufentscheidung hilfreich. Dass Unternehmen ihre Karten offen auf den Tisch legen würden, ist vermutlich nicht der Fall. Neue Ansätze würden allerdings den Druck auf große Unternehmen erhöhen.