Mit welcher Selbstverständlichkeit jedoch die bestehenden Genossenschaften im Markt weiterentwickelt werden sollen, zeigen heute sehr deutlich die Bereiche Wohnen und Kredit, aber auch Landwirtschaft. Der Bereich Konsum kommt in Österreich nahezu ohne genossenschaftliche Selbsthilfe aus. Dies ist aber unter anderem in Italien noch ganz anders.

Es entsteht allerdings ein Widerspruch, wenn eine Genossenschaft, die selbst eine Alternative zu über den Markt vermittelten Angeboten darstellt, dessen Gesetzen unterworfen werden soll. Denn dann nehmen die übereinstimmenden Interessen von Eigentümern (Mitgliedern) und Kunden respektive Bürgern (Identitätsprinzip) ab.

Schützende Kraft

Dies ist wohlgemerkt kein Plädoyer für eine Welt, in der es ausschließlich Genossenschaften gibt. Welch notwendiges Nebeneinander verschiedene Konzepte bieten können, das zeigt zum Beispiel die Wohnungswirtschaft, in der sich private, genossenschaftlich-gemeinnützige und kommunale Angebote finden. Aber auch in der Kreditwirtschaft findet sich diese Arbeitsteilung.

Daher ist, aller tatsächlichen oder doch nur theoretischen Effizienz der Märkte zum Trotz, in den Bereichen der Daseinsvorsorge ein Angebot aufrechtzuerhalten, das gerade nicht dem Spiel der "freien" Kräfte überlassen ist, sondern davon unabhängig bleibt. Zur Daseinsvorsorge dürfen wir durchaus auch den Umgang mit und freien Zugang zu Zahlungsmitteln (Geld) rechnen. Dann werden Menschen, die zum Beispiel nicht im Eigentum wohnen, trotzdem in ihrer Wohnung ruhig schlafen können und müssen nicht mit unerwartet hohen Mietpreisveränderungen rechnen.

Was bis heute Transformationserscheinungen bei Genossenschaften kennzeichnet, das ist die Gefahr, dass das genossenschaftliche System von wenigen zu ihrem Vorteil genutzt wird. Der Vorteil ergibt sich daraus, dass die Mitglieder auf einen Teil des Vermögenszuwachses, der über die reine Förderfunktion hinaus entsteht, zugunsten der Genossenschaft und damit für die Zukunft verzichten.

Gerade dieses über mehrere Generationen gewachsene Vermögen, ohne zusätzliche Kapitalansprüche erfüllen zu müssen, könnte sich für die Begleitung von Maßnahmen im dörflichen oder städtischen Wirkungsfeld einer Genossenschaft als ein Potenzial erweisen, das nicht zwingend nur den heutigen Mitgliedern zugutekommen muss. Es ließe sich sogar als partiell gemeinnützig beschreiben und gibt damit der Genossenschaft vereinsrechtliche, aber auch öffentlich-rechtliche Gestaltungselemente an die Hand, ohne dass sie ihre Eigentümlichkeit einbüßt.

"Moderation des Marktes"

Daher sei die grundsätzliche Frage erlaubt, was geschähe, wenn alle Bedarfe und Leistung(serbringung)en, nicht nur das Wohnen, das man wohl berechtigterweise zu den Daseinsgrundfunktionen rechnet, dem Marktmechanismus unterworfen würden. Ließe sich die Schärfe des Marktes weiter entfalten, indem über Marktbeziehungen (bilaterales Kontrahieren) zwischen ungleich starken Vertragspartnern die Bildung von Monopolen gefördert wird und damit Kontrahierungsmöglichkeiten und Alternativen im Markt (ver)schwinden? Dauerhafte, beständige Alternativen mildern den Markt.