Gerade in Krisenzeiten ist dieses allbekannte Mantra für die beteiligten Marktakteure so bedeutend wie nie. Einerseits beginnt für potente Käufer eine Zeit, in der krisenbehaftete Unternehmen mit dem richtigen Timing und unter der Einhaltung von gewissen Spielregeln vergleichbar günstig erworben werden können. Andererseits könnte für Unternehmen, die sich in einer finanziellen Krise oder bereits in der Insolvenz befinden, ein Verkauf des Unternehmens oder ihrer Vermögenswerte der beste Ausweg für ihre Stakeholder sein. Aufgrund der derzeit vorherrschenden Krise haben viele Unternehmen wirtschaftlich unrentable Positionen in ihrem Portfolio.

Unternehmer können den Verkauf dieser Unternehmenswerte in Betracht ziehen, um ihre mangelnde Liquidität aufzustocken. Für viele der Unternehmen werden solche Maßnahmen jedoch nicht reichen, um die finanzielle Notlage zu überwinden. In solchen Fällen bleibt als letzter Ausweg häufig nur der Verkauf des gesamten Unternehmens zum bestmöglichen Preis, sodass zumindest die negativen Auswirkungen auf das Privatvermögen minimiert werden können.

Mario Tiefenbacher ist Rechtsanwaltsanwärter bei Eversheds Sutherland und auf Gesellschaftsrecht und M&A spezialisiert. - © Stefan Gergely
Mario Tiefenbacher ist Rechtsanwaltsanwärter bei Eversheds Sutherland und auf Gesellschaftsrecht und M&A spezialisiert.
- © Stefan Gergely

Druck der Gläubiger

Die Entscheidung zum Verkauf kann - zumindest teilweise - durch den Druck der Gläubiger getrieben sein. Ein beschleunigter Verkaufsprozess, der oft als "Distressed M&A-Prozess" (DMA-Prozess) bezeichnet wird, ist fast identisch mit einem traditionellen Verkaufsprozess. Der bedeutendste Unterschied ist die Komprimierung der Zeitabläufe. Während ein gesundes Unternehmen, dessen Eigentümer verkaufen wollen, einen Marketing- und Verkaufsprozess über mehrere Monate laufen lassen kann, wird ein DMA -Prozess von Beginn bis zum Abschluss (Verkauf) wahrscheinlich in Wochen oder im Falle einer schweren Notlage in Tagen abgeschlossen.

Die Rechtsanwältin Silva Palzer ist Partnerin bei EvershedsSutherland und auf das österreichische Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht und M&Aspezialisiert. - © Stefan Gergely
Die Rechtsanwältin Silva Palzer ist Partnerin bei EvershedsSutherland und auf das österreichische Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht und M&Aspezialisiert. - © Stefan Gergely

Ein weiterer wesentlicher Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass ein erheblicher Teil der DMA-Prozesse zu einem Verkauf des Betriebs und der Vermögenswerte und nicht des gesamten Unternehmens führt. Diese Verkäufe werden sehr häufig im Rahmen eines Insolvenzverfahrens durchgeführt. Käufer und Verkäufer sollten dies zu Beginn eines DMA-Prozesses im Hinterkopf behalten.

Aufschwung der Distressed M&A-Prozesse

Während die österreichische Regierung damit beginnt, die Covid-19-Beschränkungen zu lockern, werden viele Unternehmen nach und nach feststellen, dass ihr erlittener finanzieller Schaden für sie zu groß ist, als dass sie sich davon erholen könnten. Viele dieser Unternehmen werden zwar über lebensfähige Primärgeschäfte verfügen, aber der Gläubigerstress und der Druck durch die Covid-19-Beschränkungen werden Umstrukturierungen erforderlich machen. Für viele Eigentümer wird hingegen ein Verkauf die einzige sinnvolle Lösung sein. Dementsprechend rechnen wir damit, dass es mit der Lockerung der Covid-19-Beschränkungen zu einem Aufschwung der DMA-Prozesse kommen wird.

Während dies für die Unternehmenseigentümer verheerend sein könnte, kann durch einen gut geführten DMA -Prozess die größtmögliche Rendite für die Gläubiger des Unternehmens herausgeholt und bestenfalls auch einen gewisser (Rest-)Wert für Eigentümer erhalten werden.

Grundsätzlich werden sich potenzielle Käufer bei den DMA -Prozessen in zwei verschiedene Lager aufteilen. Zum einen wird es opportunistische Käufer geben. Diese sind weiterhin relativ finanzstark und sehen die Möglichkeit, einen Wettbewerber zu erwerben, um ihre eigenen Kapazitäten und Marktanteile zu erhöhen. Ebenso wichtig und möglicherweise zahlenmäßig größer werden die defensiven Käufer sein. Also jene,
die Liquiditäts- und Solvenzprobleme in ihren Lieferketten sehen und zu dem Schluss kommen, dass die beste Möglichkeit, die Versorgung ihrer Endkunden aufrechtzuerhalten, darin besteht, ihre Lieferanten intern zu übernehmen, um die Kontinuität der Versorgung zu gewährleisten.

Angesichts der Tatsache, dass DMA -Prozesse in der Welt nach Covid-19
wahrscheinlich in den Vordergrund rücken werden, und angesichts der subtilen Unterschiede zu einem eher traditionellen M&A-Prozess, stellen wir im Folgenden einige Punkte vor, die Käufer und Verkäufer berücksichtigen sollten, bevor sie mit dem DMA -Prozess beginnen;

DMA-Überlegungen für Verkäufer

- Vorbereitung ist entscheidend;

- Beauftragen Sie Berater mit Erfahrung in der Durchführung von DMAProzessen

- da viele DMA-Prozesse mit einer Insolvenz enden, empfehlen wir
Berater mit Restrukturierungserfahrung;

- Beginnen Sie frühzeitig mit dem Aufbau des virtuellen Datenraums -
vollständige und leicht zugängliche Informationen für potenzielle Käufer
werden der Schlüssel zur Wertmaximierung sein;

- Seien Sie verfügbar, um Informationen zu ergänzen und Fragen von
potenziellen Käufern zu beantworten;

- Halten Sie die Stakeholder des Unternehmens (insbesondere die
Finanzgläubiger) über die Fortschritte auf dem Laufenden - deren Beteiligung an einem Verkauf (falls dieser keine vollständige Rückzahlung garantiert) wird notwendig sein;

- Halten Sie die Fristen kurz und halten Sie diese ein (und stellen Sie sicher,
dass potenzielle Käufer dies auch tun) - die Zeit bis zum Abschluss einer
Transaktion wird kurz (möglicherweise sehr kurz) sein und eine Verzögerung
kann Sanierungschance erheblich erschweren oder Haftungen auslösen;

- Verlieren Sie Ihre Pflichten als Geschäftsführer nicht aus den Augen - falls am Ende des Prozesses eine Insolvenz vorliegen sollte, wird das Verhalten der Geschäftsführer untersucht. Lassen Sie sich regelmäßig über Ihre Pflichten beraten und dokumentieren Sie Ihre Schritte genau.

- Seien Sie flexibel - der Ausgang des DMA-Prozesses ist ungewiss und wird
möglicherweise erst ganz zum Schluss bekannt.

DMA-Überlegungen für Käufer

- Vorbereitung ist entscheidend;

- Beauftragen Sie Berater (finanzieller und juristischer Art), die verstehen, wie ein DMA-Prozess abläuft und die Erwartungen potenzieller Käufer verstehen - vielleicht waren Sie vorher noch nie an einem DMA-Prozess beteiligt, aber Ihre Berater sollten diesbezüglich Erfahrung haben;

- Die Due Diligence ist für den Käufer der wichtigste Teil des
Kaufprozesses. Wenn ein Verkauf im Rahmen eines Insolvenzverfahrens
erfolgt, erhält der Käufer keine Gewährleistungen oder Entschädigungen vom Verkäufer. Selbst bei einem solventen Verkauf könnten Gewährleistungen oder Entschädigungen längerfristig nicht werthaltig sein.

- Sämtliche Probleme in Bezug auf das Geschäft und die Vermögenswerte
müssen frühzeitig erkannt werden. Ohne Gewährleistungszusagen müssen
solche Probleme im Kaufpreis berücksichtigt werden.

- Personalkosten und Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit dem Übergang von Unternehmen sind unvermeidlich - wenn Sie einmal in Verhandlungen sind, kann der Verkäufer seine Belegschaft nicht auf Veranlassung des Käufers reduzieren (Ausnahmen bestehen teilweise nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens), so dass alle zukünftigen Entlassungskosten in den Preis einfließen;

- Achten Sie auf Konzernimplikationen und stellen Sie sicher, dass alle
Unternehmen, die Vermögenswerte besitzen, dem Kaufvertrag beigetreten
sind (achten Sie besonders auf geistiges Eigentum);

- Investieren Sie Ihre Ressourcen, um schnell voranzukommen - Zeit wird bei
der Verhandlung und Durchführung jeder Transaktion von entscheidender
Bedeutung sein;

- Seien Sie flexibel in Bezug auf das Ergebnis - ein Kauf ohne
Insolvenzverfahren mag vorzuziehen sein, aber ein Kauf nach
Insolvenzeröffnung könnte Ihnen ein Schnäppchen mit wenig zusätzlichem
Risiko bringen (wenn Sie Ihre Due-Diligence-Prüfung richtig durchführen).
Während die allgemeinen Konzepte in einem DMA-Prozess sowohl Verkäufern als auch Käufern bekannt sein werden, werden die komprimierten Zeitvorgaben und die Dringlichkeit eine Lösung für den Käufer und seine Stakeholder zu finden, neuen Druck ins Spiel bringen.