Die Aufarbeitung der Folgen der Corona-Pandemie hat auf unterschiedlichen Ebenen ein Nachspiel. So geht es auch um die Auswirkungen für Skifahrer, die durch das abrupte Ende der Skisaison im Vorjahr wegen des ab Mitte März 2020 verhängten Corona-Lockdowns zum Handkuss gekommen sind. Dazu gibt es in einer Causa um eine Familie und deren Saisonkarte bei der Salzburger Ski amade GmbH, über die die "Wiener Zeitung" berichtet hat, nun eine erste gerichtliche Entscheidung, wonach ein Teil des Ticketpreises zurückgezahlt werden muss. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hatte im Auftrag des Sozialministeriums auf die aliquote Rückerstattung der Kosten für Saisonkarten für die pandemiebedingt vorzeitig abgebrochenen Skisaison 2019/20 geklagt. In dem konkreten Fall hatte sich die vereinbarte Gültigkeit der Skisaisonkarte um 24 Prozent beziehungsweise 49 Tage verkürzt. Das Bezirksgericht St. Johann im Pongau urteilte laut einer Aussendung des VKI am Dienstag nun, dass diese 24 Prozent des bereits bezahlten Ticketpreises an den Käufer rückerstattet werden müssen. Falls der Käufer in der Saison 2020/21 dafür einen Bonus erhalten haben sollte, sei dieser vom zurückzuzahlenden Betrag abzuziehen.

Saison durch Schließung um 49 Tage kürzer

Eine vierköpfige Familie hatte bei der Ski amadé GmbH Skisaisonkarten für die Saison 2019/2020 erworben. Insgesamt zahlten sie dafür 1.754 Euro. Die Gültigkeit der Saisonkarte war vereinbarungsgemäß für den Zeitraum 12. Oktober 2019 bis 3. Mai 2020 festgelegt und hätte demnach 205 Tage betragen sollen. Aufgrund von behördlichen Anordnungen mussten die Lift- und Pistenbetreiber am 16. März 2020 ihren Betrieb einstellen. Die Nutzungsdauer wurde daher um 49 Tage verkürzt. Der Verein für Konsumenteninformation klagte auf Rückzahlung eines aliquoten Anteils des Ticketpreises.

Das Bezirksgericht St. Johann im Pongau führte laut VKI dazu aus, dass der Grund für das Ausbleiben der Leistung nicht der Sphäre der Vertragspartner zuzurechnen sei. Die Liftbetreiber konnten aufgrund der hoheitlichen Anordnungen ihren Teil des Vertrages ab dem 16 März 2020 nicht mehr erfüllen. Daher ende mit dem Zeitraum der Schließung auch die Zahlungspflicht der Skigäste. Da die Konsumenten das Entgelt für die Saisonkarten bereits im Voraus gezahlt hatten, haben sie einen aliquoten Rückzahlungsanspruch für die Dauer der Schließung.

Der Familie stehe an sich ein Betrag in Höhe von rund 420 Euro zu. Allerdings haben drei der Familienmitglieder beim Kauf einer neuen Karte für die Skisaison 2020/21 bereits einen Rabatt für die vergangene Saison erhalten, nämlich insgesamt 90 Euro. Diese seien vom Erstattungsbetrag abzuziehen. Die Ski amadé GmbH muss daher 330 Euro an die vom VKI vertretene Familie zahlen.

Im Vorfeld hatte Ski amadé laut Beate Gelbmann, Rechtsexpertin im VKI, gegenüber Verbrauchern behauptet, dass es weitgehend kein Recht auf Rückerstattung gebe, so Gelbmann zur "Wiener Zeitung". Das Problem sei, dass es zu dieser besonderen Situation wenig Rechtsprechung gebe. Weitere Musterprozesse laufen. Der VKI hofft allerdings, dass die Liftbetreiber nun aber von sich aus einlenken und Konsumenten die anteiligen Kosten für die Schließungen der vergangenen Skisaison zurückerstatten. (ett, temp)