Ich möchte auf die Stellungnahme von Robert Virsik im Rahmen mehrerer Kommentare zur queeren Rechtslinguistik reagieren. Während mir von Lesern meiner bisherigen Repliken bescheinigt wurde, dass diese sehr ausgewogen und ohne böse Worte seien, trifft dies auf den genannten Beitrag von Virsik nicht zu, der sagt, meine Meinung gehöre "in den Giftschrank der Verschwörungstheorien". Jede Zeit hat ihre guten und weniger guten Seiten. Wenn man aber die weniger guten Seiten nicht mehr benennen darf, schlittern Demokratien in Richtung Diktatur.

Die genannte Stellungnahme  bestätigt geradezu, wie gefährlich es für unabhängige Denker zu werden droht, wenn Kritik künftig in einen "Giftschrank" eingesperrt werden sollte. Den Denkanstoß, dass "politische Cliquenbildung" der Homosexuellen gefährlich werden könnte, entnahm ich dem Buch "Die Homosexualität" von Rudolf Klimmer, dem bedeutendsten deutschsprachigen Bahnbrecher in Richtung Straffreiheit homosexueller Praktiken. Der heute wachsender Einfluss Homosexueller auf Rechtsprechung, Schule und Medien bekräftigt die Befürchtung, die Klimmer aussprach, auch wenn er damals diese für unrealistisch hielt.

Ideologien wie die des Kommunismus in der Sowjetunion waren immer interessiert, abweichende Standpunkte zu verhindern. Zensur, Verleumdungen und "Giftschränke" waren stets Methoden autoritärer Regime. Wer heute solches will, hat Demokratie, aber auch Wissenschaft nicht verstanden. Die offene Suche nach der Wahrheit muss immer möglich sein, denn der Zweifel an Theorien ist die Lebensquelle neuer Theorien. Wenn eine Theorie wissenschaftlich sein möchte, muss sie falisifizierbar sein, lehrte Karl Popper; dies wird heute allgemein anerkannt. Die Wissenschaft beruht darauf, dass jeder Theorie widersprochen werden kann und die Argumente frei artikuliert werden. Das grenzt Wissenschaft von der Ideologie ab.

Psychischer Schaden droht besonders groß zu sein

Die Unterscheidung von Sex und Gender ist eine Theorie, neben der es diverse andere Theorien gibt, die weiterhin anerkannt bleiben müssen, wenn die Demokratie und die Wissenschaft weiter bestehen sollten! Die Ansicht, man könnte willkürlich sein Geschlecht per amtlicher Deklamation wechseln, ist aus logischer Sicht ebenso fragwürdig, wie wenn man seinen Geburtstag (samt Jahr) und -ort willkürlich per amtlicher Deklamation wechseln könnte. Aber der psychische (und wohl auch ökologische) Schaden droht bei naturwidrigen Ideologien zur Geschlechtlichkeit besonders groß zu sein.

Auch die der LBGTIQ+-Bewegung zugrundeliegende Theorie, dass es mehr als zwei Geschlechter gebe, ist wissenschaftlich ebenso fragwürdig, auch wenn diese amtlich anerkannt sein möge. Doch seit LBGTIQ+-Vertreter den kleinsten Widerspruch zu eigenen Ansichten als "Homophobie" diffamieren, wurde ihre Theorie zur "Ideologie". Denn der wichtigste Unterschied zwischen wissenschaftlicher Theorie und Ideologie ist nach Karl Popper, dass die Ideologie keinen Widerspruch erträgt.

Ich fühle mich nicht als homophob, wenn ich meine eigene feste sittliche Überzeugung habe, zu der auch die besondere Achtung der Ehe von Mann und Frau gehört: "Ehre Vater und Mutter, auf dass du lange lebest und es dir wohlergehe auf Erden" (vgl. Gen 2,12; Dtn 5,16); und ich beziehe dieses Gebot auch auf die allgemeine Hochachtung jeder Vater- und Mutterschaft, wie ich in meinem Buch "10 Gebote reloaded" (2009) ausführte. Ich respektiere Personen, die im Privatleben homosexuell sind oder andere von Normen abweichende Eigenschaften und Neigungen haben, denn ich bedenke meine eigenen Schwächen sowie Jesu Botschaft, dass Gott ein barmherziger, vergebender Gott ist.

Alternativangebote zur Religion

Ideologien entstanden geistesgeschichtlich als Alternativangebote zur Religion, vor allem zum Christentum. Unter anderem unterdrückte die kommunistische Ideologie vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion abweichende Meinungen besonders heftig und rechtfertigte ihre Denkverbote als angeblich wissenschaftliches Eintreten "für die arme Arbeiterschaft". Der Prototypus der Ideologie ist der Nationalismus, aber das Eintreten für jegliche definierte Menschengruppe kann eine neue partikuläre Identität stiften; Erich Fromm erklärte, das Christentum sei keine Ideologie und unterscheide sich von allen Nationalismen, denn das Christentum sei eine Lehre, deren identitätsstiftendes Hauptgebot die Nächstenliebe sei, einschließlich die Feindesliebe, wodurch das wichtigste Kriterium zumindest dem Anspruch nach Friede und Anerkennung aller Menschen sei.

Der Kommunismus bemängelte zwar an der "christlichen" Gesellschaft die schmähliche Behandlung der Arbeiterklasse, aber zumindest im bewusst christlichen Teil der Gesellschaft wurde die Religion ausdrücklich zum Anstoß für karitative Hilfen und sozialreformatorische Bewegungen. Zu Unrecht behauptete die kommunistische Ideologie, sie habe das Recht, durch staatliche oder sonstige Maßnahmen alle abweichenden Meinungen zu unterdrücken, nicht nur das Christentum. Aber ebenso hat die formell demokratisch entstandene EU nicht das Recht, von Mitgliedstaaten wie Polen mittels finanzieller Strafen in astronomischer Höhe die Anerkennung der Ehe für alle zu erzwingen.

Trotz deklarierter Bedenken gegen den ideologischen Charakter des Kommunismus beteiligte ich mich als junger Wissenschafter und Christ mit linken Wurzeln - um des Weltfriedens willen - jahrelang aktiv an internationalen Tagungen zum "Dialog zwischen Christen und Marxisten". Wenngleich ich mich im Bereich der Wiener Zeitung zum Dialog mit der LGBT-Bewegung bereit zeigte, scheint mir deren intellektuelle Intransigenz im Moment rigider zu sein als die des intellektuellen Flügels der Marxisten der 1980er Jahre.

Die liebevolle, partnerschaftliche Ehe von Mann und Frau, die möglichst offen sein sollte für Nachkommen, ist in meinen Augen edler als Sex zur bloßen Triebbefriedigung, ob zwischen gleichen oder andersgeschlechtlichen Partnern. Die christliche Religion wird von anderen Religionen hinsichtlich ihrer Liebesbotschaft geschätzt und auch die christliche Ehe wird von Nichtchristen bewundert. Doch eigens in christlichen Ländern setzt sich eine Ideologie durch, welche die Zwei-Geschlechter-Lehre auf den Kopf stellt – und dafür mehr als christliche Toleranz erwartet. Auch die Naturwissenschaft bekräftigt, dass die Geschlechtlichkeit eine wichtige Rolle für die Evolution darstellt. Hoffentlich wird die Macht der Gender- und LBGT-Ideologie nicht einmal so groß, dass jede freie Äußerung eines von ihrer Ideologie abweichenden Standpunktes tatsächlich in den Giftschrank verbannt wird.