Diese Klischees schaden nicht nur Frauen, sondern allen Menschen. Eine Frau im gebärfähigen Alter, die sich um einen Job bewirbt, wird häufig mit der Erwartungshaltung des Arbeitgebers konfrontiert, sie würde ja ohnehin in absehbarer Zeit ein Kind bekommen und damit ausfallen. Ein Mann, der ein Jahr in Karenz gehen möchte, hat es oft genau so schwer; ihm wird nicht selten unterstellt, dass er seine Arbeit nicht ernst genug nähme. Da überrascht es nicht, dass auch ein modernes Paar den Weg des geringsten Widerstands wählt: Er kümmert sich ums Geld (und geht vielleicht zwei Monate in Karenz, das lässt sich gerade noch vertreten), und sie nimmt mindestens ein Jahr Elternurlaub. Danach arbeitet sie Teilzeit - freiwillig natürlich, weil sie auch für ihre Kinder da sein möchte. Für Väter, die vielleicht auch gern Zeit mit ihren Kindern verbringen würden, stellt sich diese Frage oft gar nicht.

Kindererziehung wird geteilt

Und hier setzt der Feminismus mit seinen unangenehmen Theorien an. Kein Wunder, dass das Unbehagen hervorruft. Immerhin geht es um die Vision eines Lebens, das wirkliche (und nicht nur ungefähre) Wahlfreiheit verspricht. Bedeutet auch: Keine geschlechterspezifischen Erwartungen, an denen man sich festhalten kann. Im Beruf zählt wirklich nur mehr die Qualifikation - und nicht die Tatsache, dass der Boss sein Mini-Me im jungen Kollegen wiedererkennt und ihm deshalb die spannendsten Projekte zuschanzt, während die junge Kollegin Kaffee holen geht. Wenn ein Arbeitgeber einen jungen Mann einstellt, muss er damit rechnen, dass dieser Mitarbeiter ihm für eine Zeit abhandenkommt, sobald er Vater wird. Und jedes Paar teilt sich ganz ohne äußeren Erwartungsdruck Kindererziehung und Lohnarbeit auf. Und bis wir dort angekommen sind, bitte - sparen wir uns die dummen Bemerkungen aus der dritten Reihe.

Gastkommentar

Marion

Guerrero

hat Legal Gender Studies in Wien, New York, Florenz und Berkeley studiert. Sie lehrt regelmäßig im Bereich Rechtswissenschaften & Gender Studies und ist im Büro der Frauenministerin als Fachreferentin für Frauenagenden tätig.