Ob es durch die Neuregelung zu einer Beschleunigung der Verfahren kommt, ist ebenfalls zweifelhaft, weil sich der nichtamtliche Sachverständige wohl erst mit dem eingereichten Projekt vertraut machen muss. Wenn sich das Gutachten dann auch noch als unschlüssig oder unvollständig erweist, muss es konkretisiert, ergänzt oder gar von einem Amtssachverständigen geprüft werden, was zu einer weiteren Verlängerung der Verfahrensdauer führen wird. Überdies ist nicht klar, wer überhaupt Sachverständiger ist: beispielsweise nur gerichtlich beeidete und zertifizierte oder auch andere Personen. Nicht geregelt ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, nach welchen Kriterien die Behörde die Auswahl des nichtamtlichen Sachverständigen vornehmen soll und ob diese vom Antragsteller auch abgelehnt werden können.

Erleichterungen für den Antragsteller 

Mit der Novellierung sollen zudem weitere Schritte zur Entbürokratisierung und Entlastung gesetzt werden: Dies betrifft einerseits die Streichung von Veröffentlichungspflichten, den Entfall von bestimmten Anzeigen an die Behörde und die Reduktion der Einreichunterlagen, andererseits die Einrichtung der Genehmigungsbehörde als One-Stop-Shop für Betriebsanlagen, sodass bei weiteren erforderlichen Bewilligungen für das Projekt, zum Beispiel nach dem Baurecht, Naturschutzrecht oder Wasserrecht, eine Verfahrenskonzentration bei der Gewerbebehörde vorgesehen ist. Vorteil dieser Konzentration ist sicherlich, dass so einander widersprechende Auflagen nach verschiedenen Gesetzen verhindert werden können, fraglich ist jedoch bei größeren Projekten, ob es dadurch wirklich zu einer Zeitersparnis und nicht doch zu einer Verlängerung der Verfahrensdauer kommen wird.

In diesem Zusammenhang sollen auch bloß vorübergehende Tätigkeiten des Gewerbetreibenden nicht mehr unter das Betriebsanlagenrecht fallen. Diese Neuregelung ermöglicht es beispielsweise Gastgewerbetreibenden, ein Zeltfest außerhalb des Gasthauses zu veranstalten, ohne dass sie dafür einer gesonderten Betriebsanlagengenehmigung bedürften. Damit müssen die Nachbarn Immissionen ausgehend von der Veranstaltung, vor denen sie die GewO eigentlich schützen will, dulden, gleichzeitig bleiben aber die sonstigen Rechtsvorschriften, die in einer Betriebsanlage eingehalten werden müssen, wie zum Beispiel der Arbeitnehmerschutz, weiterhin unverändert aufrecht. Somit ist die Begünstigung für den Unternehmer nur eine teilweise.

Die Erleichterungen für den Gewerbetreibenden betreffen schließlich auch die finanzielle Seite: Stempelgebühren und Bundesverwaltungsabgaben sollen sowohl für die durch eine Neugründung eines Unternehmens unmittelbar veranlasste Eingaben als auch im Betriebsanlagenverfahren entfallen.

Abschließend ist somit festzustellen, dass die Novelle der GewO in ihrer vorliegenden Form zweifellos Erleichterungen für Gewerbetreibende bringt. Da jedoch bei bestimmten Neuerungen Fragen offen bleiben, ist noch nicht absehbar, ob es nicht auch Nachteile geben wird.