Die EU hat hingegen im Rahmen der Ceta-Verhandlungen ein desolates Bild abgegeben. Es ist fraglich, ob dieses Abkommen je definitiv ratifiziert und in vollem Umfang umgesetzt werden kann. Nach den Erfahrungen mit Ceta braucht an ein TTIP-Abkommen aber nicht mehr gedacht werden. Damit zeigt sich die EU somit äußerlich schwach und im Inneren zerstritten.

Nationaler Umgang mit der EU muss sich ändern

Vielfach wird die Abgehobenheit der EU-Bürokratie, die fehlende demokratische Mitbestimmung und die Regulierung am Bürger vorbei für diese Misere verantwortlich gemacht. Insbesondere wenn man sich den von Brüssel forcierten Erweiterungsprozess ansieht, der tatsächlich erhebliche Strukturungleichgewichte geschaffen hat und noch größere zu schaffen droht oder eine überbordende EuGH-Rechtsprechung mit unverhältnismäßigen Belastungen für einzelne Mitgliedstaaten (Stichwort: Öffnung der österreichischen Universitäten für EU-Ausländer) vor Augen führt, dann liegt sicherlich auch Wahres in dieser Kritik.

Primär aber liegt das Problem wohl in der fehlenden Vermittlung der Bedeutung und des Nutzens der europäischen Integration. Solange die eingangs beschriebene asymmetrische Informationspolitik ("Alle Schuld nach Brüssel, jeder Erfolg der nationalen Zentrale") fortbesteht, ist eine "immer engere Union" kein wirkliches Zukunftsprojekt, das Aussicht hat, von den Bürgern mitgetragen zu werden.