Wien. (temp) "Raschere und befriedigendere" Entscheidungen in Obsorgesachen sollte die neue Familiengerichtshilfe laut der damaligen Justizministerin Beatrix Karl bringen, als sie diese vor mehr als fünf Jahren präsentierte. Den Familienrichtern und Betroffenen werden dabei Pädagogen, Sozialarbeiter und Psychologen zur Seite gestellt, die auf einvernehmliche Lösungen hinarbeiten. 2013 wurde das entsprechende Kindschafts- und Namensrechts-Änderungsgesetz umgesetzt, nach Pilotversuchen war die Familiengerichtshilfe 2014 an allen Bezirksgerichten verfügbar. Diesen Mai veröffentlichte der Rechnungshof (RH) seinen Prüfbericht über deren Auswirkungen auf die Verfahren. Heute, Freitag, übermittelt das Justizministerium seine Evaluierung an den Nationalrat.

Lange Verfahrensdauer

"Die neue Institution ist ein erfolgreicher Weg, um Obsorge-Konflikte zu lösen", sagte dazu im Vorfeld Justizminister und Vizekanzler Wolfgang Brandstetter bei einem Hintergrundgespräch mit der "Wiener Zeitung". Der RH hatte kritisiert, dass die Verfahren noch immer lange dauern. Die Evaluierung des Ministeriums kam ebenfalls zu diesem Schluss. Die Qualität stehe im Vordergrund, so Brandstetter dazu, beim Kommunikationsablauf zwischen den Gerichten gebe es aber Verbesserungspotenzial. Ein weiterer Kritikpunkt des RH, dass der Männeranteil (20 Prozent) unter den Mitarbeitern zu gering sei, sei wiederum dem hohen Frauenanteil in den Sozialberufen geschuldet.

Bei der Zahl der einvernehmlichen Lösungen gab es jedoch eine Steigerung: Bereits drei Viertel aller Fälle konnten so gelöst werden, ergänzte Veronika Leibetseder, Leiterin der Familiengerichtshilfe Oberösterreich. Österreichweit gibt es 19 Standorte, die alle außerhalb des Justizgebäudes angesiedelt sind. Die rund 260 Mitarbeiter werden nur im Auftrag der Justiz tätig und über die Justizbetreuungsagentur eingestellt. Die Familiengerichtshilfe führt Clearings mit den Betroffenen durch, verfasst fachliche Stellungnahmen und vermittelt bei den Eltern-Kind-Kontakten.