Wien. (ede) Künstliche Intelligenz im Anwaltsbüro: Das von kanadischen Studenten entwickelte Computerprogramm "Ross" hilft Rechtsanwälten bei der Suche nach juristischen Texten und Urteilen und trägt alle relevanten Unterlagen zu einem Fall zusammen. Als Basis nutzten die Studenten die berühmte Watson-Software von IBM, die bereits jedem Menschen beim Quiz-Spiel Jeopardy überlegen ist.

Das System "Ross", das bereits in mehreren amerikanischen Anwaltsbüros im Einsatz ist, lernt mit jedem Fall, den es bearbeitet, dazu und verfeinert somit seine Antworten. Die Klienten betreuen und vor Gericht vertreten kann "Ross" aber nicht.

Wettbewerbsvorteile
durch Technologieeinsatz

Effiziente, unterstützende Technologien, insbesondere bei der Datenrecherche, können Rechtsanwälten jedoch Wettbewerbsvorteile verschaffen, geht aus einem Whitepaper von LexisNexis Österreich zur Digitalisierung der Rechtsbranche hervor. Bei "Legal Technology" (kurz: Legal Tech) gehe es nicht um die Automatisierung ganzer Berufe, sondern lediglich einzelner Aufgaben, die Computer billiger, schneller und zuverlässiger erledigen können, heißt es.

Laut einer im Auftrag von LexisNexis durchgeführten Online-Umfrage können sich 68 Prozent, also die Mehrheit von 500 Österreicherinnen und Österreichern, auch vorstellen, eine automatisierte Rechtsberatung zu nutzen, die anhand ihrer Eingaben rein von einem Computer generiert wird. Die Hälfte der Befragten würde dieses Service als "Erstgespräch" und/oder Vorabinformation nutzen. Befragte mit Matura (62 Prozent) würden dies eher nutzen als Befragte ohne Matura (49 Prozent). Jede(r) Fünfte würde damit eigenständig außergerichtliche Angelegenheiten regeln und dabei auf anwaltliche Unterstützung verzichten. Immerhin sechs Prozent würden ein entsprechendes Service nutzen, um sich selbst vor Gericht zu vertreten.

Insgesamt sieht eine deutliche die Mehrheit der Befragten computergenerierte Rechtsberatung als Alternative zu einem Anwalt (Männer: 76 Prozent, Frauen: 66 Prozent), wenn gewisse Voraussetzungen zutreffen, etwa wenn das System der Rechtsberatung von Juristen gepflegt wird: 49 Prozent erachten das als Bedingung. Für 42 Prozent wäre es wichtig, dass die Rechtsberatung in Österreich ansässig ist.

Der deutsche Markt hat schon viele Beispiele von automatisiertem Rechtsbeistand hervorgebracht. So können Passagiere, deren Flüge verspätet sind, bei Flightright innerhalb kurzer Zeit ihre Entschädigung bekommen. Weitere Anbieter: fairplane.at, compensation2go.de, euroclaim.eu oder getairhelp.com.