Wien. Grundstücke bewachen, Geschäfte aufsperren, Schaufensterbeleuchtungen einschalten, Sonnenblachen ziehen: Um 1900 war das Aufgabengebiet privater Sicherheitskräfte in Österreich noch überschaubar. Ein gutes Jahrhundert später hat sich das radikal geändert. Private Sicherheitsunternehmen bewachen längst nicht mehr nur Geschäfte, Villen oder Messegelände. Auch vormals "klassische" Polizeiaufgaben nehmen die Unternehmen vermehrt wahr. Sie kontrollieren Personen und Gepäck auf Flughäfen, werden in Schubhaftzentren tätig und patrouillieren im öffentlichen Personenverkehr.

Derzeit bauen etwa die "Wiener Linien" ihre eigene "Security-Truppe" auf. Bis Ende 2019 sollen 120 Sicherheitsmitarbeiter im Einsatz sein. Die ersten 22 Securities sind bereits seit Mitte August unterwegs. Sie sollen das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste heben und Verstöße gegen die Hausordnung ahnden.

Doch welche Befugnisse besitzen private Sicherheitskräfte überhaupt? Wie werden sie ausgebildet? Wo könnten sie demnächst noch eingesetzt werden?

Nur allgemeine, keine speziellen Befugnisse

In Österreich gibt es kein Spezialgesetz, das die Befugnisse von Mitarbeitern privater Sicherheitsunternehmen regelt. "Sie sind keine Polizisten und daher nicht dementsprechend ausgebildet. Sie sind Privatpersonen und können nicht mehr als andere Private machen", sagt Alexander Tipold, Professor am Institut für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Wien. Diese finden sich daher in den allgemeinen Gesetzen - etwa im Strafgesetzbuch (StGB) und der Strafprozessordnung (StPO).

Das Anhalterecht Privater und die Nothilfe

Das Anhalterecht Privater ist in § 80 Abs 2 StPO geregelt. Es ermächtigt Privatpersonen, Tatverdächtige auf verhältnismäßige Weise anzuhalten, wenn keine Polizei anwesend ist. Gerechtfertigt ist die nötige Freiheitsentziehung, die damit verbundene Nötigung - und eine einfache Körperverletzung, wenn sie verhältnismäßig ist. Die Anhaltung ist unverzüglich dem nächsten Sicherheitsorgan anzuzeigen. So kann der "Wiener Linien"-Mitarbeiter etwa einen Mann, der im Stationsbereich eine Sachbeschädigung begeht oder begangen hat, bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.

Eine Sachbeschädigung, die gerade im Gange ist, könnte ein Security auch im Rahmen der Nothilfe abwenden (§ 3 StGB). Sie dient der Abwehr eines rechtswidrigen Angriffs auf ein notwehrfähiges Rechtsgut des Auftraggebers. Zulässig ist die Verteidigung, die notwendig ist, um den Angriff abzuwehren. "Wenn die Sachbeschädigung bereits geschehen ist, kann keine Nothilfe mehr geübt werden. Der Angriff ist dann ja bereits abgeschlossen", erklärt Tipold.