Stellen Sie sich vor, Sie werden unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt, Ihr Auto ist beschädigt, muss für ein paar Tage in die Werkstätte, und Sie benötigen für diesen Zeitraum ein Ersatzauto. Möglicherweise entsteht sogar ein Verdienstentgang, weil Sie durch den Unfall ein sicheres Geschäft nicht abschließen konnten.

Es stellt sich die berechtigte Frage: "Wird mir für diesen Zeitraum vom schuldhaften Unfallgegner beziehungsweise seiner Haftpflichtversicherung ein Mietauto gezahlt und ein etwaiger Verdienstentgang erstattet?" Rein logisch würde man meinen, dass dem so ist. Die Antwort ist aber schwieriger. Sie hängt nämlich von einer entscheidenden Vorfrage ab: Haben Sie eine Versicherungsvariante "mit oder ohne Mietwagenverzicht" gewählt?

Grundsätzlich muss jeder, der in Österreich ein Fahrzeug in Betrieb nehmen will, vor der Zulassungsbehörde einen aufrechten Kfz-Haftpflichtversicherungsvertrag vorweisen. Ohne Vorliegen eines solchen kann ein Auto nicht zugelassen werden. Die Versicherungspflicht für Kraftfahrzeuge ist im Kraftfahrtgesetz 1967 (KFG) geregelt. Durch die Verpflichtung, einen privatrechtlichen Versicherungsvertrag abzuschließen, werden alle am Verkehr Beteiligten besonders geschützt. Unter diesen Schutz fallen nicht nur die berechtigten Ansprüche des geschädigten Dritten, sondern auch das Vermögen des Schuldners, also desjenigen, der schuldhaft einen Unfall verursacht hat. Ein selbstverschuldeter Autounfall kann sehr schnell zu hohen Schadenersatzforderungen des Unfallgegners führen, und die Haftung des Verursachers kann existenzbedrohend sein. Die Ansprüche können Summen erreichen, die ein Schädiger aus seinem Privatvermögen vielleicht gar nicht mehr selbst tragen kann.

Julia Culen ist als Versicherungsmaklerin bei Friedenreich & NilssonVersicherungsmakler GmbH in Wien tätig. Sie berät unter anderem auch im Bereichder Kfz-Versicherung.
Julia Culen ist als Versicherungsmaklerin bei Friedenreich & NilssonVersicherungsmakler GmbH in Wien tätig. Sie berät unter anderem auch im Bereichder Kfz-Versicherung.

Der Kfz-Haftpflichtversicherungsvertrag an sich hat seine gesetzlichen Grundlagen im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB), im Versicherungsvertragsgesetz (VersVG), im Kraftfahrtgesetz (KFG), im Kraftfahrzeughaftpflichtversicherungsgesetz (KHVG), im Konsumentenschutzgesetz (KSchG) sowie in den Tarifen (Annahmerichtlinien, Grundlagen für die Prämienberechnung und Prämie), den Bedingungen und den Klauseln der Versicherungen.

Versicherungsvariante mit
oder ohne Ersatzansprüche

Christoph Krones ist als Rechtsanwalt in Wien tätig. Im Bereich des Zivil-und Zivilverfahrensrechts zählt das Verkehrs- und Reiserecht zu seinenSpezialgebieten.
Christoph Krones ist als Rechtsanwalt in Wien tätig. Im Bereich des Zivil-und Zivilverfahrensrechts zählt das Verkehrs- und Reiserecht zu seinenSpezialgebieten.

Die Versicherung selbst umfasst die Befriedigung begründeter und die Abwehr unbegründeter Ersatzansprüche, die aufgrund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen gegen den Versicherungsnehmer oder die mitversicherten Personen erhoben werden. Und zwar dann, wenn durch die Verwendung des versicherten Fahrzeugs Personen verletzt oder getötet werden, Sachen beschädigt oder zerstört werden oder abhandengekommen sind. Oder wenn ein Vermögensschaden verursacht worden ist, der weder Personen- noch Sachschaden ist (bloßer Vermögenschaden). Wenn bei einem Unfall ein Schädiger bekannt ist, hat jeder Geschädigte Anspruch auf Ersatz aller ihm entstandenen Nachteile. Zu den ersatzfähigen Nachteilen gehören auch Taxikosten, Mietauto und ein möglicher Verdienstentgang des Geschädigten.