Der Standort der Kanzlei ist natürlich auch sehr wichtig und ob die Verkehrsanbindung gut ist. Flexibilität ist ein hohes Gut. Im ersten Bezirk zum Beispiel sind dann aber wieder die Mieten recht teurer. Ich teile mir die Kanzlei und dadurch auch die Mietkosten mit einem Kollegen.

Dem Mandanten muss man zwar seinen Mehrwert verkaufen, kann aber auch nicht unangemessene Honorare verlangen. Es muss immer in einer Relation zur Leistung stehen.

Mit der Digitalisierung im Rechtsbereich verhält es sich ähnlich wie mit dem Erdöl Anfang der 1920er. Zuerst merkt man, dass es ein Reservoir an Möglichkeiten gibt, entdeckt das Potenzial dahinter, aber auch die Gefahren. Was einer Maschine immer fehlen wird, ist Empathie. Wenn ein Mandant seine Themen besprechen will, braucht er einen Menschen, der ihn an der Hand nehmen kann, der aus Fleisch und Blut ist - auch, wenn er fehlbar ist."

Carina Heißenberger. - © privat
Carina Heißenberger. - © privat

Dr. Carina Heißenberger, 30 Jahre alt. Seit 2012 bei der Hule Bachmayr-Heyda Nordberg Rechtsanwälte GmbH in Wien tätig, seit 2015 Rechtsanwältin und seit 2016 Partnerin (geschäftsführende Gesellschafterin). Liegenschafts- und Immobilienrecht, Bauprozessrecht, Bauvertragsrecht.

"Die Hürden beginnen, denke ich, bereits vor der Selbständigkeit, nämlich als Rechtsanwaltsanwärterin. Man muss in dieser Branche sehr viel Fleiß, Verantwortungsgefühl und Ehrgeiz aufzeigen. Als selbständige Rechtsanwältin kommen dann auch wirtschaftliche Gesichtspunkte hinzu. Es reicht nicht mehr aus, ein Rechtsproblem gut zu lösen, vielmehr ist es zusätzlich notwendig, Mandate zu bekommen und diese auch selbstverantwortlich zu betreuen. Heutzutage genügt es nicht mehr, fachlich gut zu sein, darüber hinaus muss man ein unternehmerisches Verständnis haben, wirtschaftlich denken und sich ständig weiterentwickeln.

Die Rechtsanwaltskammer Wien veranstaltet einmal jährlich einen Junganwältetag, bei dem Junganwälten Personen aus Wirtschaft und aus der rechtsanwaltlichen Praxis für Fragen zu Verfügung stehen. Mein Glück war es aber, dass ich innerhalb der Kanzlei auch vor der Eintragung als Rechtsanwältin für meine offenen Fragen immer Ansprechpersonen gehabt habe.

Mir wird oft gesagt, dass ich noch sehr jung bin. Damit habe ich manchmal zu kämpfen, weil jung sein nicht damit gleichzusetzen ist, dass man keine Erfahrung hat. Schließlich bin ich schon seit einigen Jahren in der Branche tätig und habe im Zuge dessen auch schon so manches erlebt. Mein Eindruck ist, dass ich mein junges Alter immer durch noch bessere Vorbereitung kompensieren muss.

Ich weiß nicht, ob ich jemals das Gefühl haben werde, richtig Fuß gefasst zu haben. Natürlich bin ich in dem Beruf angekommen. Der Beruf erfordert es aber, sich ständig weiterzuentwickeln und dazuzulernen. Man gewinnt zwar mit jedem Jahr an Erfahrung dazu und manche Dinge werden selbstverständlicher und einfacher, man begegnet aber auch immer neuen Situationen, wodurch man ständig neu herausgefordert wird. Es gibt in diesem Beruf keinen Stillstand, und genau das gefällt mir daran so gut.