Ist Ihr Mann auch berufstätig?

Mein Mann hat ebenfalls einen fordernden Job, aber wir organisieren unser Leben fifty-fifty. Wenn zum Beispiel unsere Tochter krank ist und nicht in den Kindergarten gehen kann, springt einer von uns ein. Ich glaube, das ist der Punkt. Es ist wichtig, dass man sich in der Partnerschaft mit dem Mann alles gleichwertig aufteilt und es nicht nur einen gibt, an dem im Zweifelsfall alles hängen bleibt. Oft managt die Frau allein Beruf und Kinder, dann wird es schwierig.

Wer war in Ihrem Fall wie lange in Karenz?

Ich war in Karenz, für österreichische Verhältnisse wahrscheinlich relativ kurz, insgesamt vier Monate. Danach habe ich sechs Monate lang Teilzeit gearbeitet. Im internationalen Vergleich ist die relativ kurze Karenz nicht ungewöhnlich, im Endeffekt hat das sogar einiges leichter gemacht, weil dadurch die Umstellung für meine Tochter leichter war. Wir hatten nicht das Problem, dass sie sich umgewöhnen musste, weil sie es immer so gewohnt war.

War für Sie von Anfang an klar, nicht lange in Karenz zu bleiben?

Ich habe nie Druck von außen verspürt, schnell wieder zurückzugehen. Für mich war einfach klar, dass ich das so machen möchte. Ich glaube auch nicht, dass Karenz etwas Schlechtes ist. Man kann aus der Karenz heraus beziehungsweise nach der Karenz sehr gut Karriere machen. Wichtiger ist, dass man als Frau in der Karenz nicht verschwindet.

Was würden Sie diesbezüglich einer Anwältin, die schwanger ist, raten?

Dass man sich bemüht, den Blick auf die eigene Arbeit nicht zu verlieren. Das bedeutet, dass man zum Beispiel in der Karenz Kontakt zur Kanzlei hält, dass man ein Interesse behält an dem, was vor sich geht. Und dass man auch immer wieder nach außen signalisiert, dass man weiterhin ein Interesse an Karriere hat. Dass man das Selbstvertrauen hat, das einzufordern - etwas, wovor wir uns als Frauen häufig scheuen. Das bedeutet überhaupt nicht, dass man sein Kind nicht als oberste Priorität ansehen sollte, aber dass man weiterhin auch in Bezug auf seinen Beruf ehrgeizig bleibt.

Waren Sie als Schwangere jemals mit der Reaktion konfrontiert, dass Ihr Gegenüber eine Karriere mit Kind angezweifelt hat?

Ja klar, ganz häufig. Man merkt aber auch, dass - wenn man es einfach macht und nicht davor zurückschreckt - gerade die, die anfangs Bedenken hatten, letztendlich sagen: "Das ist toll, wie ihr das hinkriegt und wie glücklich eure Tochter dabei ist." Ich kenne es vom eigenen Familiensetting her nicht anders. Meine Mutter war auch berufstätig, deshalb fällt es mir wahrscheinlich leichter. Man muss positiv darauf zugehen, und was auch ganz wichtig ist: Wenn man daheim ist, dann ist man daheim. Wenn ich bei meiner Tochter bin, leg’ ich das Handy weg. Auch das ist wieder eine Organisationsfrage. Direkt davor schaue ich noch einmal, dass alles passt, damit ich mit gutem Gewissen heimgehe. Dann spreche ich mit meinem Ehemann ab, wann er daheim sein kann, und ich weiß ganz genau, wann ich wieder meine Emails checken kann.