Sophie Martinetz ist Gründerin und Leiterin von Future-Law.
Sophie Martinetz ist Gründerin und Leiterin von Future-Law.

Wie komme ich zu einem digitalen Geschäftsmodell als Kanzlei? Die Stufen der Digitalisierung sind: Digitalisierung verstehen, interne Prozesse optimieren/ automatisieren, dann das digitale Geschäftsmodell.

Wer als Anwaltskanzlei erfolgreich eine digitale Produkt- und Prozesslösung für Mandanten entwickeln möchte, braucht die erforderliche Denkweise intern sowie geeignete Strukturen und Abläufe. Denn Kanzleien, die produktifizierte Rechtsberatungsleistungen in Form von Software-Lösungen anbieten, verlassen den klassischen angestammten juristischen Bereich.

Zur Umsetzung benötigt es einen konkreten Plan. Wenn das Problem ausreichend definiert ist, dann kann nach diesen Kriterien eine Lösung gefunden werden. Ein nachhaltiger und wirtschaftlicher Businesscase muss immer im Vordergrund stehen.

Zunächst einmal benötigt man für die Entwicklung digitaler Produkt- und Prozesslösungen für Mandanten klar umrissene Parameter. So definiert etwa CMS Deutschland, eine Produkt- oder Prozesslösung beispielsweise als "bereits nutzfertig vorliegendes, standardisiertes und Technologie-gestütztes Leistungspaket, das jederzeit unabhängig von Ort und Verfügbarkeit menschlicher Ressourcen abgerufen werden kann und sich durch eine hohe Reproduzierbarkeit ohne Qualitätsverlust auszeichnet". Wenn das Legal Tech Tool mit Gewinnerzielungsabsicht umgesetzt werden soll, ist im ersten Schritt das Marktpotenzial dieser Lösung zu recherchieren.

Ganz selten liegen die für verlässliche Vorhersagen notwendigen Marktdaten vor.

Eine Kombination aus eigenen Erfahrungsdaten und der Bildung von Interviewgruppen im Markt muss oft als Entscheidungsgrundlage dienen.

Für eine erfolgreiche Umsetzung ist eine längerfristige Bereitstellung ausreichender finanzieller, materieller und personeller Ressourcen sicherzustellen. Strategische Produktentwicklung kann nicht nebenbei erledigt werden. Im Idealfall gibt es eine eigene Einheit auch mit Nicht-JuristInnen, die sich ausschließlich mit der Produktentwicklung und -ausrollung befasst.

Achtung Realitätscheck: Das mit Abstand sicher größte Innovationshindernis derzeit in der Branche ist die nicht vorhandene Dringlichkeit. Immer mehr MandantInnen fragen jedoch, ob eine Kanzlei "Legal Tech einsetzt". Es ist also gut, nicht erst zu warten, bis der Druck zu groß ist, um sich mit digitalen Geschäftsmodellen zu beschäftigen. Nutzen Sie Ihre aktuelle Stärke und investieren Sie einen kleinen Teil Ihrer heutigen Erlöse in Ihre zukünftigen Erlöse.

Mehr zum Thema am 7. November bei der Legal Tech Konferenz in Wien
(www.legaltech.future-law.at).

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