Letzte Werke, letzte Worte, letzte Vollendungen: Mit Gustav Mahlers Symphonie Nr. 9 nahmen die Salzburger Festspiele an ihrem Eröffnungswochenende den Roten Faden der Ouverture Spirituelle wieder auf. In der Matinee am Sonntag widmeten sich die Wiener Philharmoniker unter Dirigent Herbert Blomstedt Mahlers musikalischem Vermächtnis. Schon die Zärtlichkeit der ersten Streicherklänge zeigte im Großen Festspielhaus den von Blomstedt gewählten Weg durch diesen symphonischen Vormittag: voller Bedacht, ohne jede Eile, in der nötigen Kompaktheit und mit dem Augenmaß für die relevanten, die letzten Dinge.

Im herrlich derb gaukelnden zweiten und im erfrischend burlesken dritten Satz konzentrierte sich Blomstedt auf klangliche Transparenz und strukturelle Klarheit, erwies sich dabei jedoch als wahrer Meister der eleganten wie vital beseelten Erinnerungskultur. Die Wiener steuerten nicht nur ihren die Welt umspannenden, dabei aber nie der erdrückenden Süße einer Umarmung erliegenden Streicherklang bei, sie bewiesen auch in den Bläsern ihre solistischen Stärken. Auch das getragene Finale prägte der enorme Respekt der Musikerinnen und Musiker sowohl Blomstedt als auch Mahler gegenüber. Blomstedt begegnete diesen letzten Klängen mit liebevoller Erhabenheit und ließ sie in eine edle Stille entschweben, ohne sich dabei selbstverliebt im Schönklang zu sonnen. Ein in jeder Hinsicht beseelter Abschied zum Auftakt der diesjährigen philharmonischen Festspielsaison.