Altwerden ist keine Leistung, sagt man. Stimmt nicht im Fall des ORF-Radio-Symphonieorchesters, kurz RSO Wien: "Wir spielen um unser Leben", hieß es noch vor zehn Jahren, als wieder einmal Sparpläne im Raum standen und die Orchesterzukunft bedrohten. Gottlob ist dieser Rotstift verschwunden und seither nicht wiedergekehrt: Der Klangkörper des ORF, von Kritikern gerühmt und bedeutsam für die Vielfalt des Wiener Musikbetriebs, steht heute auf soliden Beinen. Entsprechend fröhlich dürfte es am späten Samstag zugegangen sein, als ein Umtrunk in Salzburg den runden, 50. Orchester-Geburtstag feierte.

Schade nur, dass das Konzert davor nicht rund lief. Der "Titan", die Erste Symphonie von Gustav Mahler, verkam da leider zu frappanter Nichtigkeit. Stimmt zwar: Patzer passieren, auch bei den Salzburger Festspielen. Die Blechbläser (vor allem die Hörner) brauchten allerdings bis zum dritten Satz, um einen hartnäckigen Fehlerteufel abzuschütteln. Damit nicht genug: Mitunter drohten die Orchestergruppen auseinanderzufallen, wenn Dirigent Jonathan Nott einen seiner scharfen Tempowechsel anordnete – das markanteste Element einer weitgehend blassen Interpretation.

Erfolg mit Avantgarde

Doch immerhin: Der Abend blieb nicht ohne Glanz, konnte das RSO doch vor der Pause seine zeitgenössische Kompetenz ausspielen. Nämlich mit Luciano Berios "Voci" (1984): Eine Bratsche (passioniert: Antoine Tamestit) meditiert hier über sizilianische Volkslieder, verbiegt sie bis zur Unkenntlichkeit, lässt aber auch heile Teile durch den Klangraum treiben. Und das Orchester? Umrahmt diese Anrufungen mit flirrenden Klangkulissen, tritt hier und da auch in Dialog mit dem "Sänger": eine schwierige, doch glutvolle Sommernachtsmusik, gebührend gefeiert in der Salzburger Felsenreitschule.