Grüblerisch: Der Virtuose Arcadi Volodos. - © Marco Borggreve
Grüblerisch: Der Virtuose Arcadi Volodos. - © Marco Borggreve

47 Jahre alt ist Arcadi Volodos und sagt doch, schon ein Leben hinter sich zu haben. Nämlich eines als Klavier-Kraftlackel. Ende der 90er Jahre hat er sich an die Weltspitze der Virtuosen katapultiert: Der Russe schrieb sich Klassik-Bearbeitungen auf den Leib, die vor Tastendonner nur so strotzten. Davon will er heute nichts mehr wissen, geschweige denn hören. Wenn er seiner Version des "Türkischen Marschs" begegnet, fühle er sich "um 25 Jahre zurückgeworfen", sagte Volodos dem Schweizer "Blick". Gehalt statt Klanggewalt, Poesie statt Posen lautet das Credo des geläuterten Pianisten.

Dazu passt ein unaufgeregtes Programm: Volodos hat damit schon einige Bühnen, darunter das Wiener Konzerthaus, bespielt und brachte es nun in Salzburg zu Gehör. Zum Geleit ein rarer Schubert: die erste Klaviersonate in E-Dur. Die kessen Vorschläge, die Menuett-Galanterien sind noch dem Zeitgeschmack geschuldet. Volodos wirft sich mit Lust und Leutseligkeit hinein, lässt den Zierrat zwitschern und das Klavier dort innig singen, wo der Melodiker Schubert schon zu sich gefunden hat. Die reifen "Moments musicaux" zelebriert er als ausuferndes Hochamt der Klavier-Arie.

Volodos ist heute nicht mehr der Berserker vom Dienst. Als Gestalter arbeitet er aber nicht nur mit Feinschattierungen, sondern auch Extremen: Ein wattiges Pianissimo und eine knallige Wucht, eine Superzeitlupe und ein Eilzugtempo bilden die Außenränder seiner Palette. Davon macht er mitunter zu viel Gebrauch: Das cis-Moll-Prélude von Rachmaninow, übereilt im Mittelteil, bleibt einiges an schwärmerischer Schönheit schuldig: schade. Überhaupt dann zu viel schwerblütig-brütende Stücke aus der Hand dieses wechselhaften Tonsetzers. Dafür gegen Ende ein filigraner Abschnitt, der den Werdegang Skrjabins zum freitonalen Mystiker nachzeichnet und in einer lodernden Wiedergabe von "Vers la flamme" gipfelt. Jubel im Haus für Mozart, vier Zugaben.