Damit hat vor einigen Wochen wohl kaum jemand gerechnet: Dass die Salzburger Festspiele doch noch, zumindest in modifizierter Form stattfinden können. Am 25. Juli eröffnen die Festspiele mit der Ausstellung "Großes Welttheater – 100 Jahre Salzburger Festspiele" und dauern bis 31. August. An 30 Festspieltagen wird es 110 Aufführungen geben. Produktionen, die heuer Corona-bedingt ausfallen, werden allesamt im kommenden Jahr nachgeholt. Auch damit war nicht zu rechnen: Dass das Festspielprogramm 2020 neue überraschende Konstellationen zuwege bringen könnte. Die Neuinszenierung von Mozarts Oper "Così fan tutte" durch Christof Loy dürfte wohl einer der Höhepunkte werden.

Keine "Covid fan tutte"

Ursprünglich war "Don Giovanni" in der Regie des Bilderstürmers Romeo Castellucci geplant sowie die Wiederaufnahme der "Zauberflöte" von Lydia Steier. Von Letzterer sind Orchester und Dirigentin geblieben: Shootingstar Joana Mallwitz wird die Wiener Philharmoniker durch den Abend führen. Die 34-Jährige ist übrigens die erste Frau, die eine Oper bei den Salzburger Festspielen dirigiert.

Das Direktorium der Festspiele unter Präsidentin Helga Rabl-Stadler:  Lukas Crepaz und Markus Hinterhäuser. - © APAweb/Gindl
Das Direktorium der Festspiele unter Präsidentin Helga Rabl-Stadler:  Lukas Crepaz und Markus Hinterhäuser. - © APAweb/Gindl

Die Idee zu "Così fan tutte" sei spontan entstanden. Ihr Charakter stehe in Beziehung zu dem, "was wir in den letzten Wochen erlebt haben. Es wird aber keine Covid fan tutte", sagte Intendant Markus Hinterhäuser bei der Programmpräsentation. Premiere ist am 2. August im Großen Festspielhaus.

Aus dem Opernprogramm habe man "Elektra" von Richard Strauss retten können, Regie: Krzysztof Warlikowski, Dirigent: Franz Welser-Möst – "ein Stück mit überschaubarer Dauer und geringem Personaleinsatz", so Hinterhäuser.

Die beiden Schauspiel-Uraufführungen können ebenfalls heuer gezeigt werden, Peter Handkes "Zdenek Adamec" und "Everywoman", Milo Raus Einpersonenstück. Natürlich gibt es keine Festspiele ohne den Fixstarter Hugo von Hofmannsthals "Jedermann", der heuer gleich 14 Mal gezeigt wird, darunter der Jubiläums-"Jedermann" am 22. August.

Im Konzertprogramm finden sich vier Konzerte der Wiener Philharmoniker, die "Berliner" werden ihre üblichen zwei Auftritte zum Ausklang des Festivals absolvieren, weitere Gastorchester sind das West Eastern Divan Orchestra und das Radio-Symphonieorchester Wien. Während das Beethoven-Jahr vielerorts der Pandemie zum Opfer fiel, wird das für Salzburg ursprünglich geplante Vorhaben auch umgesetzt: der Beethoven-Zyklus, bei dem Igor Levit an acht Abenden alle 32 Klaviersonaten des Komponisten spielen wird. Darüber hinaus gibt es Kammer- und Solistenkonzerte, Liederabende, die Reihe "Canto Lirico" mit den klingendsten Namen der Opernwelt – von Anna Netrebko bis Juan Diego Flórez – und einige Mozart-Matineen.

Der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz erläuterte das umfangreiche Präventionskonzept der Festspiele, das die Vorgaben des Bundes mehr als erfüllt: Jede Festspielkarte werde personalisiert und die Kartenhalter müssen sich auch ausweisen, das diene dem Contact-Tracing im Falle einer Infektion, beim Ein- und Ausgang wird es eine Publikumslenkung analog zum Boarding am Flughafen geben, die Plätze werden ausschließlich im Schachbrett-Muster belegt, auch zwischen Familienmitgliedern bleibt somit ein Platz frei, außerdem gelte Maskenpflicht, der Schutz dürfe nur während der Vorstellung abgenommen werden, es wird keine Pausen und keine Bewirtung geben. Auch für die Künstler gibt es ein mehrstufiges Sicherheitskonzept.

Für heuer werden lediglich 80.000 Karten aufgelegt, ursprünglich waren es 230.000, von denen 180.000 bereits vor dem Lockdown verkauft waren. Die Karten werden nun rückabgewickelt, danach können Eintritte noch erworben werden. Den bisherigen Schaden beziffert der kaufmännische Geschäftsführer mit rund 16 Millionen Euro, "den wir aber durch konsequentes Sparen auffangen konnten".

"Wir wissen, es ist ein Gang auf dünnem Eis", sagt Hinterhäuser im Hinblick auf die Pandemie. "Aber die Sehnsucht nach Aufführungen ist übergroß geworden." (apa, red)