Es ist schon eine Zeit lang her: 2011 gab es bei den Salzburger Festspielen zwei konzertante Aufführungen von Tschaikowskis Oper "Iolanta". Damals war Piotr Beczala der Tenor an der Seite von Anna Netrebko. Am Dienstag im Großen Festspielhaus war es Familiensache. Diesmal öffnete also Yusif Eyvazov in "Twojo moltschanje neponjatno" der Königstochter Iolanta die Augen für das, wovon die nichts ahnt: dass sie blind ist. Emotion pur in dieser symbolistisch angehauchten Oper (1892): Die Blindheit steht für unterdrückte Sexualität. Freuds Seelenerkundungen lagen damals in der Luft.

In der letzten Woche machen die Festspiele mit großen Sängernamen mobil, mit drei von vier Abenden der Reihe "Canto lirico". Jetzt also Schlag auf Schlag: Anna Netrebko mit Yusif Eyvazov, Juan Diego Flórez und Cecilia Bartoli. Beim Wunschkonzert am Dienstag durfte man schon leise fragen: Wer wünscht sich schon so viel auf höchsten emotionalen Pegel hinaufgeschraubten Tschaikowski? Es war ein Abend unter - sagen wir es zurückhaltend - etwas unglücklichen Rahmenbedingungen: Am Pult stand ein dirigierender Jungspund namens Mikhail Tatarni-kow. Ein Radaubruder sondergleichen. Am Fortissimo hat es nicht gemangelt, an Ordnung im Mozarteumorchester sehr wohl.

Im Duett "Ostanowites, umoljaju was" aus "Pique Dame" bahnt sich schon alles Unglück dieser Liebesbeziehung zwischen Lisa und Hermann an, auch wenn die Sache vorerst mit einem Kuss endet. Gut, dass Netrebko und Eyvazov im gleichen Haushalt leben. Da geht das auch jetzt ganz ohne epidemiologische Vorbehalte.