Das letzte Beethoven-Wort bei den Salzburger Festspielen hatte Daniil Trifonov, mit dem Dritten Klavierkonzert. Zwar wirkt die Körperhaltung dieses Pianisten, als ob er sich ganz vergraben wollte, verschanzen vor der Tastenreihe. In Wirklichkeit aber: eine herrlich singende Wiedergabe ganz im Einklang mit den Berliner Philharmonikern.

Klar, da kommt jeder Lauf gestochen und glasklar, wirkt jede Linie präzis gesetzt wie eine Gravour auf einer Kupferstich-Platte. Aber wie auf einer zweiten Ebene lässt Daniil Trifonov das Melos fließen, und wenn einer die Orchesterbegleitung so licht und durchsichtig hält wie Kirill Petrenko, dann ergeben sich plastische Dialoge zu den Solobläsern.

Kirill Petrenko begeisterte in Salzburg. - © apa/dpa/Sven Hoppe
Kirill Petrenko begeisterte in Salzburg. - © apa/dpa/Sven Hoppe

Daniil Trifonov war gut beschäftigt an diesem letzten Festspiel-Wochenende, am Freitag hatte er ein Solistenkonzert im Haus für Mozart gestaltet mit einem Programm von Berg, Bartók und Prokofjew bis Ligeti und Stockhausen mit amerikanischen Einsprengseln.

Im ersten der beiden Konzerte der Berliner Philharmoniker gab’s nach Schönbergs "Verklärter Nacht" die Vierte von Brahms. Am frühen Sonntagabend ließ Kirill Petrenko auf das Beethoven-Konzert die Erste Symphonie von Felix Mendelssohn Bartholdy folgen. Die hat im letzten halben Jahrhundert bei den Festspielen bestimmt keiner aufgeführt.

Ach ja: Die Berliner Luft-Luft-Luft scheint Corona-geschwängerter zu sein als der Wiener Musikhimmel. Die deutschen Übervorsichtsregeln gelten auch, wenn ein Orchester ins Ausland reist. Also saßen die Berliner Philharmoniker in gehörigem Abstand zueinander. Vorbei die Zeiten, da zwei Geiger sich ein Notenpult teilten. Und zwischen den Bläsern ist in Berlin jetzt eine Fagott-Länge plus zwei, drei Handspannen (sprich: zwei Meter) gerade recht. Hauptsache die Einsätze sind beisammen.