Am Samstag starten die Salzburger Festspiele in die 101. Saison. Nach einem Jubiläumsjahr unter so strikten wie pionierhaften Corona-Bedingungen werden heuer wieder alle rund 200.000 Karten für die 170 Veranstaltungen aus Theater, Oper und Konzert verkauft. Dass es aus derzeitiger Sicht nicht zu einer Kapazitätsbeschränkung kommt, ist auch der derzeitigen Durchimpfungsrate von 64 Prozent und den verfügbaren Testmöglichkeiten zu verdanken.

Die Eröffnung macht der "Jedermann", in der Regie von Michael Sturminger, aber mit runderneuerter Besetzung, die ebenso neue Outfits bekommen hat. Die Kostüme sollen das moderne 21. Jahrhundert mit seinen fließenden Grenzen mit dem üppigen, aber strengen Barock vereinen. Der vielschichtige deutsche Schauspieler Lars Eidinger (etwa bekannt aus "Babylon Berlin") wird den Jedermann des gleichnamigen Stückes von Hugo von Hofmannsthal spielen. Er trägt eine aus Goldgarn gestrickte Hose gemäß der 70er-Jahre, der blaue Absatzschuh darf dabei nicht fehlen, oder auch einmal einen Fettkörperanzug im Boxring. An Jedermanns Seite findet sich die gebürtige Salzburgerin Verena Altenberger (bekannt aus "Polizeiruf 110") als Buhlschaft in rotem Seidenschiffon mit Hosenanzug darunter. Die Rolle des Teufels wird erstmals von einer Frau verkörpert, der Burgschauspielerin Mavie Hörbiger. Als sie hörte, sie sei die erste Frau, die den Teufel spielt, erklärt sie gegenüber der APA: "Ich hoffe, dass, wenn ich die Rolle wieder abgebe, die Geschlechtlichkeit dann keine Rolle mehr spielt." Während Edith Clever im Vorjahr noch als Jedermanns Mutter zu sehen war, verkörpert sie dieses Jahr den Tod.

Verena Altenberger und Lars Eidinger am Dom. - © apa / Barbara Gindl
Verena Altenberger und Lars Eidinger am Dom. - © apa / Barbara Gindl

Neben dem Klassiker sind weitere Highlights im Programm der diesjährigen Festspiele die szenischen Opernpremieren "Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart und "Intolleranza 1960" nach einem Libretto von Luigo Nono unter Verwendung von Texten Berthold Brechts oder auch Jean-Paul Sartres.

Individualismus und Kollektiv

"Den Individualismus wollen wir darstellen anhand von zwei wesentlichen Figuren der Opernliteratur: Don Giovanni und Elektra", sagte Intendant Markus Hinterhäuser gegenüber der APA, dem es wichtig war, für das vergangene Jubiläumsjahr Erzählungen zu wählen, die eine Weltwahrnehmung zwischen ungebremstem Individualismus und dem Kollektiv ermöglichen. Die Wiederaufnahme der "Elektra" wird insgesamt sieben Mal zu hören sein. Das Libretto stammt von Hofmannsthal und huldigt dem Mitbegründer (neben Max Reinhardt) der Salzburger Festspiele und österreichischen Lyriker wie Dramatiker ein weiteres Mal. Hinterhäuser, freut sich auf die Musik von Morton Feldman, für den er selbst eine große Leidenschaft empfindet und sein gesamtes Klavierwerk selbst gespielt hat.

Die Wiener Philharmoniker beginnen ihre Konzerte im großen Festspielhaus am 25. Juli unter der Leitung von Franz Welser-Möst. Als weitere Dirigenten sind Christian Thielemann, Andris Nelsons, Riccardo Muti und Herbert Blomstedt zu erwarten. Darunter neben Werken von Richard Strauss, Ludwig van Beethoven und Anton Bruckner auch die Symphonie Nr. 3 in d-Moll von Gustav Mahler.

Während sich österreichische Künstler bei der Anreise leichter tun, ist es für jene aus Großbritannien schwieriger. Ein Werk wie das "War Requiem" von Benjamin Britten neu zu besetzen und zur Aufführung zu bringen, war für Hinterhäuser eine große Herausforderung. 200 Menschen, bestehend aus Orchester und Chor, mussten koordiniert werden. Das Radio Symphonie Orchester und der Wiener Singverein konnten letztlich dafür gewonnen werden. "Es gibt heuer viele Aspekte, die anstrengender sind als im letzten Jahr, wo wir das Programm sehr reduziert hatten. Dieses Jahr ist der Planung nach ein Festspielsommer, wie wir ihn seit vielen Jahren kennen. Wir schießen aus allen Rohren", so Hinterhäuser.

3G-Regel

Die Kraft der Kunst lebt also in der Pandemie weiter - aber dafür müssen alle Sicherheitsmaßnahmen für das menschliche Wohlergehen eingehalten werden. Gemäß der aktuellen gesetzlichen Vorgaben sind die Eintrittskarten personalisiert und die 3G-Regeln (getestet, geimpft, genesen) gelten, wodurch die Maskenpflicht im Theater und Konzertsaal fällt. Auch wird es Pausen geben. Die Künstler selbst werden jeden dritten Tag mittels Antigentest und jede zweite Woche mittels PCR-Test getestet, da es ihnen nicht möglich ist, auf der Bühne jederzeit einen Sicherheitsabstand zu gewahren oder den Mund-Nasen-Schutz zu tragen.