Wer hätte gedacht, dass die Salzburger Festspiele einmal etwas mit dem Frequency Festival in St. Pölten verbinden würde? Stimmt zwar: Das Freiluft-Spektakel für die Generation Sturm und Drang fällt heuer wegen Cluster- und Wuselgefahr aus, die Edelfestspiele dürfen dagegen dank ihrer Sitzplätze stattfinden. In Salzburg gibt es nun aber erstmals ein Requisit, das bisher den Rock-Fans vorbehalten war, nämlich ein Armband: Wer das Festspielhaus in der Pause verlässt, erhält eine Schleife als Beleg, auf Karte, Ausweis und die drei Gs überprüft worden zu sein.

Doppeltes Heimspiel

Im Großen Festspielhaus am Sonntag ein doppeltes Heimspiel für die Wiener Philharmoniker: Die arbeiten sich an ihrem Sommerstammsitz durch Auszüge aus dem "Rosenkavalier", wohlbekannt aus etlichen Staatsoperndiensten. Franz Welser-Möst nützt diese Expertise für fliegende Wechsel zwischen den musikalischen Gangarten, lässt luftige Süße blitzschnell in kernige Akzente umschlagen: penibel, aber prickelnd, diese "Rosenkavalier"-Suite. Wie schwerblütig dagegen die sechs "Jedermann-Monologe" mit ihrer Todestheatralik und der grellen Orchesterummantelung von Frank Martin. Immerhin: Matthias Goerne stellt seinen Luxusbariton für diesen Verweis auf Salzburgs heilige Bühnenkuh zur Verfügung, und 20 Minuten später ist auch schon Armband-Pause. Kurzweilig dann auch der Schluss: Welser-Möst durchmisst die "Alpensinfonie" wie mit Siebenmeilenstiefeln, berauscht sich an Strauss’ Klangfarben, betreibt aber auch Millimeterarbeit im Dickicht der Kontrapunkte. Ein Nachtkonzert, prächtig und pünktlich um 23 Uhr beendet.