Die Kuratoriumssitzung der Salzburger Festspiele endete am Mittwoch mit einer handfesten Überraschung. Denn das ÖVP-dominierte Gremium wählte die nächste Festspielpräsidentin nicht aus einem politisch vernetzten Personenkreis, wie dies medial gemutmaßt worden war, sondern entschied sich für ein hierzulande unbekanntes Gesicht – für Kristina Hammer. Die Deutsche, die bisher international in der Wirtschaft als Markenspezialistin tätig war, wird den Posten am 1. Jänner 2022 für vorerst fünf Jahre übernehmen und damit auf Helga Rabl-Stadler folgen, die das Festival mehr als ein Vierteljahrhundert repräsentiert und gestalterisch mitgeprägt hat.

Geboren im deutschen Bundesland Baden-Württemberg, kam Kristina Hammer früh mit den Salzburger Festspielen in Kontakt. Wie sie am Mittwoch bei der Pressekonferenz des Kuratoriums erzählte, besuchte sie das Festival mit ihren Eltern und Großeltern und hat dabei auch das Salzburg-Debüt von Anne-Sophie Mutter erlebt.

Ihr Berufsleben führte sie dann aber in die Wirtschaft. Hammer, die in Wien als Juristin promoviert hat, blieb nach dem Studium in der Stadt, arbeitete für Gerngroß und begleitete die Sanierung des Kaufhauses Steffl. Später war sie in London für verschiedene Marken tätig und hat dabei auch das "Kultursponsoring von der anderen Seite her erlebt", wie sie vor Journalisten erzählte. Nach einem Engagement in Deutschland bei Mercedes-Benz machte sie sich schließlich mit dem Beratungsunternehmen HammerSolutions mit Sitz in Zürich selbständig. Die designierte Festspielpräsidentin hat in ihrem bisherigen Berufsleben zudem unter anderem für Automarken wie Ford sowie für die s.Oliver Group gearbeitet.

Ihre Kür zur Festspielpräsidentin erfüllt Hammer mit "Stolz und Demut", wie sie sagt. Die Festspiele seien "das Herz vom Herzen Österreichs". In ihrer Amtszeit werde es um das "Brückenbauen" und um ein "Miteinander" gehen, über Details spreche sie derzeit noch nicht.

Kein Intendant gesucht

Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) betonte, das Kuratorium habe weder einen künstlerischen Leiter noch einen Kaufmann gesucht – beide Kompetenzen seien in Gestalt von Intendant Markus Hinterhäuser beziehungsweise Lukas Crepaz, dem kaufmännischen Direktor, abgedeckt. Die "ergebnisoffene Suche" habe einer Person gegolten, die die Festspiele "nach außen vertritt, nach innen wirkt" und mit Sponsoren und Mäzenen umzugehen weiß. Hammers Aufgabe sei nicht zuletzt die "Schärfung und der Ausbau der besonderen Strahlkraft der Marke der Salzburger Festspiele". Dabei ist Haslauer überzeugt davon, dass sich Hammer – wie bei ihrer Arbeit in London – rasch eine lokale Verankerung in Salzburg erarbeiten werde. Erster Schritt dabei: Sie werde sich demnächst "etwas zum Wohnen finden", sagte Hammer.