Händels chorisches "Halleluja" als Teil des "Messias"-Oratoriums gehört fraglos zu den Top Ten der bekanntesten Klassikstücke überhaupt. Oft wird es triumphal herausgeblasen, nicht selten als Zugabe am Ende einer Aufführung wiederholt. Dass der katalanische Dirigent Jordi Savall bei den Salzburger Festspielen zum Abschluss der Ouverture spirituelle in der Kollegienkirche beides unterlässt, zeigt Stil. Und es hat auch sonst enorme Klasse, wie er sich des geistlichen Werks annimmt.

Mit Ukraine-Widmung

Schon den Beginn gestalten er und der von ihm gegründete Klangkörper Le Concert des Nations sonor, gesetzt, würdig und gleichwohl lebendig-geschmeidig– Note für Note ein großer Genuss, quasi wie jeder Schluck eines Premier Grand Cru Classé. Das spätere, den zweiten von drei Teilen beendende "Halleluja" markiert davon keine Ausnahme mit seinem gemäßigten Tempo, gänzlich uneitel und unaufdringlich aufgeboten. Die Zugabe eines extra für das Orchester 2004 entstandenen "Da pacem Domine" Arvo Pärts, komponiert im Nachgang der Madrider Terroranschläge und von Savall nun mit einer Ukrainekrieg-Widmung versehen, setzt diesem Konzept ein inniges Tüpfelchen auf das i.

Der vergleichsweise kleine, 22-köpfige Chor des La Capella Nacional de Catalunya leistet sich kaum Schwächen, nur gelegentlich klingen die Tutti etwas verwaschen, wobei der rund viersekündige Nachhall in der Kirche hier kein Helfer gewesen sein dürfte. Den Solo-Alt besetzt Savall mit Countertenor Nils Wanderer, der mit großer Wortverständlich- und Behutsamkeit punkten kann, während er gerade dynamisch nicht immer überzeugt. Zum insgesamt solistischen Höhepunkt gerät gleichwohl seine Arie "He was despised", ein stumpfer Aufschrei voller Verzweiflung. Sopran Rachel Redmont liefert durchweg viel Ausdruck, bleibt stimmlich ohne Makel, aber auch ohne Exzellenz. Martin Platz' Tenor bleibt trotz klarer Diktion blass, während Matthias Winckhlers heller Bass leichtfüßig, meist mit viel Kraft und Entschlossenheit daherkommt.