Let me entertain you" - dieser Song Robbie Williams‘ könnte als Leitmotiv über dem Salzburger Opernregie-Debüt von Ausnahme-Tenor Rolando Villazón stehen. Seine Inszenierung von Rossinis "Il barbiere di Siviglia" war bereits bei den Pfingstfestspielen zu sehen und hat es zurecht auch auf die große Bühne der Salzburger Festspiele geschafft. Was nicht allein an ihm liegt, sondern ebenso an der künstlerischen Leiterin der Pfingstfestspiele: Cecilia Bartoli. Der Sopran-Star ist hier als Rosina auf der Bühne. Und hat dabei ein Team um sich, das erst Anfang Juli beim Gastspiel der Opéra de Monte-Carlo mit Rossinis "Il turco in Italia" und ihr darin als Fiorilla für überbordende Ovationen an der Wiener Staatsoper gesorgt hatte: Dirigent Gianluca Capuano samt Orchester Les Musiciens du Prince aus Monaco sowie die Sänger Ildebrando D’Arcangelo und Nicola Alaimo. Beide Produktionen verbindet zudem die Inszenierungsidee, die aus den Zutaten Leichtigkeit, Spaß (bis an die Grenze des Boulevardesken) und viel Augenzwinkern besteht. Hier wie dort etwa hat Capuano kompositionsfremde Zitate eingebaut, in Salzburg vom Thema des "Paten" bis hin zu Joe Cockers "You Can Leave Your Hat On".

Immer in Schwung

Erzählerisch hat Villazón die Geschichte um den Grafen Almaviva und seine Angebetete Rosina, die sich noch der Avancen ihres Vormunds Bartolo erwehren muss, in eine doppelte Traumwelt gepackt: Die hinzuerfundene Person eines Lageristen in einem Filmstudio (Bühne: Harald B. Thor) lässt die Figuren seiner Lieblingsfilme direkt aus der Leinwand zu sich in sein reales Leben treten. Dort spulen sie zwar trotzdem ihre Geschichte ab, doch ist dieser von Arturo Brachetti mit hoher Kunstfertigkeit rein pantomimisch dargestellte Initiator der Handlung wenigstens deren nächster Begleiter und oft genug selbst Teil von ihr. Villazón sprüht auch sonst vor Einfällen. Der missgünstige Basilio sorgt als Nosferatu für Lacher, wenn sein Schatten etwas ganz anderes macht als er. Vormund Bartolo erinnert an Aschenbach aus "Tod in Venedig", das Dienstmädchen hat quasi Dauerniesen und irgendwann schaut auch noch Herman Munster vorbei (Kostüme von Brigitte Reiffenstuel). Manche der Ideen sind einfach nur luftig-bunt, nicht jeder Gag zündet. Spaß bereitet dieser "Barbier" gleichwohl, die Inszenierung unterhält tatsächlich durchweg, weil sie nie an Schwung verliert und zugleich doch mehr als eine Nummernrevue bleibt.

Agiler Ständchensänger: Almaviva (Edgardo Rochas) unter dem Fenster von Rosina (Cecilia Bartoli). 
- © Rittershaus / Salzburger Festspiele

Agiler Ständchensänger: Almaviva (Edgardo Rochas) unter dem Fenster von Rosina (Cecilia Bartoli).

- © Rittershaus / Salzburger Festspiele

Nicola Alaimo gerät sein Figaro zu Beginn noch etwas hektisch und seltsam eckig - auch in der berühmten Auftrittsarie "Largo al factotum". Da passen Sänger und das aus dem Orchestergraben vorgegebene Tempo nicht unbedingt zusammen, was angesichts der schon eher zügig gehaltenen Ouvertüre nicht weiter verwunderte. Doch spätestens im zweiten Akt findet Alaimo ganz zu seinem Barbier, entwickelt große Bühnenpräsenz. Bartolo ist bei Alessandro Corbelli bestens aufgehoben, ausdauernd und angemessen kraftvoll durchmisst er den Part. lldebrando D’Arcangelo als sonorer Musiklehrer Basilio ist indes der einzige, der klanglich selbst aus der ärgsten Tiefe der Bühne noch massig in den Zuschauerraum dringt. Alle anderen tun sich da bedeutend schwerer, erst recht beim gar nicht so seltenen Vollgas des Orchesters. Edgardo Rochas Graf wirkt viel jünger, als es die 38 Jahre Rochas vermuten lassen würden. Sein heller Tenor meistert alle Partitur-Klippen, hat aber insgesamt noch etwas Luft nach oben.

Cecilia Bartoli gibt das Mädchenhafte ihrer Rosina mit viel Charme, Spielfreude und Ausdruck. Stimmlich schnurrt sie sich ganz geschmeidig durch die Partie - zwar mit überschaubarer Dynamik, doch dafür butterweich und präzise bis hinauf in die Koloraturen. Den gesanglichen Höhepunkt liefert aber eine andere. Rebeca Olvera zeigt in der einzigen Arie des Dienstmädchens Berta, wie sie Klangschönheit mit Kraft und Leichtigkeit verbinden kann. Ein Glück, dass Rossini diese Arie über die Liebe für eine solche Nebenfigur komponiert hat. Wie schade an diesem Abend im Haus für Mozart, dass es nicht mehr waren.