Wenig verwunderlich wäre die ein oder andere Träne des Glücks gewesen, die einem in die Augen steigt angesichts dessen, was Yefim Bronfman im Verbund mit den Wiener Philharmonikern unter Andris Nelsons bei den Salzburger Festspielen zauberte. Vom lustvollen Auftakt an ist Bela Bartóks für den Solisten überaus anspruchsvolles Zweites Klavierkonzert purer Genuss, allein schon, weil Nelsons Bronfman ganz viel Raum zur souveränen Entfaltung lässt, die enorme Power der super präzisen Philharmoniker nur wohldosierte Schlaglichter setzt - effektreich und zum Wohle des Pianisten. So kommt es zwischen ihm und dem Orchester zu einem echten Miteinander. In der insgesamt zügigen Version agiert Bronfman ungemein geschmeidig und zupackend, sein Spiel besticht mit völlig unsentimentaler Eleganz. Er und Nelsons schicken das Publikum so auf eine großartige Reise voller Farben und Muster, Linien und sehr selten derart offengelegten Wegen.

Auch nach der Pause sieht Andris Nelsons genau hin. Gustav Mahlers Fünfte Symphonie durchmisst er gerade in der Ersten Abteilung ausnehmend nuanciert, durchdacht und kontrolliert. Er arbeitet transparent Strukturen und Gedanken heraus, unverstellt drängen die Motive nebeneinander aus dem Klangkörper. Das Adagietto gerät wundervoll behutsam, der fein perlenden Harfe antworten die Streicher zart, aber nie zerbrechlich. Ehe das taumelnde Finale bis hin zur Schlussstretta die ganze, gleichwohl weiterhin konsequent eingehegte Kraft der Philharmoniker nochmals demonstriert.