Paris erfasst von einer musikalischen Spanien-Mode? Die Stadt wurde "zu einem der größten Umschlagplätze für einen musikalischen Tausch- und Verarbeitungshandel, der in beide Richtungen verlief", hieß es im Programmheft zum zweiten Salzburger Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim am Donnerstag.

Spanische Tanzrhythmen und Melodien kamen als Duftnote in die französische Musik. Ein Kunst-Spanien natürlich, es waren ja Komponisten, keine Ethnologen am Werk. Spanische Komponisten ihrerseits waren nicht faul und bedienten in Paris Hörerwartungen des Publikums (und wohl auch ihrer Kollegen). Für diesen Kulturaustausch: Ravels "Rapsodie espagnole" und Manuel de Fallas "Noches en los jardines de España", ein verkapptes Klavierkonzert. Beide Komponisten rührten pastos in den Farbtöpfen des Impressionismus, und aus den eher fleckig-vagen Klanggemälden purzeln dann jene Melodien hervor, zu denen man am liebsten aufspringen und tanzen möchte. Nun wollte man meinen, der Franzose habe vom Spanier da Falla abgekupfert, es war aber nicht so. Die "Rapsodie espagnole" ist 1908 uraufgeführt worden, da Fallas "Noches" erst 1916.

Das ist Musik wie zugeschnitten für den Pianisten Lang Lang. Glasklar lässt er die Ton-Girlanden funkeln, egal ob sich in ihnen Nachtschattierungen brechen oder das klare Licht "de la Sierra de Córdoba". Melodie-Höhepunkte sind mit punktgenauen pianistischen Entladungen verbunden, und es gibt Glissandi bergauf und bergab, dass es eine Freude ist. Und dazwischen eben das auch oft unbestimmte orchestrale Chroma. Sagen wir ein bisserl boshaft: Für die Siesta in der spanischen Hitze war Barenboim zuständig.

Dann noch Debussys "Ibéria" und Ravels "Boléro". Spanisches Herz, was willst du mehr?