Um den Tod geht es ganz schön viel in Riccardo Mutis Dirigat der Wiener Philharmoniker bei den Salzburger Festspielen. Im ersten Teil der Matinee arbeitet sich Tschaikowskis letztes Werk, die Sechste Symphonie, durch "Tod", "Liebe", "Enttäuschung" und "Ersterben", wie er die Sätze inoffiziell überschrieb. Der von Bravi schon vor dem ersten Takt gefeierte Muti lässt zu Beginn des Kopfsatzes die Solo-Fagottistin das spätere Hauptthema in aller Unerbittlichkeit des Endes intonieren, traurig, ruhig, präzise.

So geht es auch insgesamt weiter, im behutsamen Tempo und mit fließenden Dynamikbögen, ohne die vorhandenen Bruchlinien überzubetonen. Scheinbar walzerbeschwingt der zweite Satz, in den sich eine Schwere legt, bis von der anfänglichen Heiterkeit nichts übrig ist, ehe dann zum Ende das Gute, die Liebe, noch einmal kurz aufkeimt. Kräftig stampfend galoppieren die Philharmoniker im flink, aber nicht flirrend aufgenommenen dritten Satz dahin. Muti gönnt sich und dem Orchester hier und noch mehr im Schlusssatz einen überraschend breiten Sound bei gleichwohl voll eingehegten Emotionen. Innig immerhin das buchstäbliche Kontrabass-Herzschlagfinale, zuvor erinnert wohlgesetztes Innehalten an nahes Ersticken.

Nach der Pause Liszts letzte symphonische Dichtung: "Von der Wiege bis zur Bahre" gerät in der Ausführung genau, doch seltsam leidenschaftslos. Zum Abschluss der "Prologo in cielo" aus Arrigo Boitos Oper "Mefistofele" mit über 100 Damen, Herren und Kindern des Staatsopernchores sowie Salzburger Festspiele und Theater Kinderchores als mal Engel, mal Büßerinnen. Ihr Sparringspartner ist Ildar Abdrazakov in der Titelpartie. Sein kraftvoller Bass weiß sich zu behaupten, nur in höheren Regionen wird es etwas dünn. Der Chor bringt das aufgrund seiner Größe enorme Potenzial nicht in den Saal: Mal verwaschen und meist wenig klangschön agiert er, findet mit dem Orchester selten zu harmonischer Einheit.