Vielleicht sollte das in Serie gehen: Das "Tristan"-Vorspiel in einer Klaviertranskription, als Einleitung zur h-Moll-Sonate von Franz Liszt. Ohne Pause ließ Igor Levit in seinem Salzburger Festspiel-Konzert am Mittwoch das eine Stück ins andere gleiten.

Levit ist ein präziser Analytiker, und als solcher schafft er erst einmal Ordnung in der Liszt-Sonate, die ihm in solcher Stringenz, aber auch in solcher Ausgewogenheit aus packendem Zugriff und feinem Lineament derzeit vermutlich keiner so nachspielt. Das erste Thema, das so oft auftaucht, kommt in Wirklichkeit ja nie unverändert daher - Levit sucht und findet für jede dieser Varianten je eigene Timbres.

Insgesamt hat seine Interpretation auch durch außerordentliche gesangliche Eigenschaften für sich eingenommen. Ein Liszt-Erlebnis besonderer Art, herausentwickelt aus dem "Tristan"-Vorspiel in einer Klavierfassung von Zoltán Kocsis. Da geht nichts verloren, ganz im Gegenteil: Das harmonische Nirwana des legendären Akkords wird in der pianistischen Rohform ja noch deutlicher greifbar. Dieses Vorspiel als ein großes An- und Abflauen, für das Igor Levit in der Liszt-Sonate einige Entsprechungen auftut. Wenn er die Sonate "Lento assai", fast übertrieben stockend ausklingen lässt, wünschte man sich beinahe ein Da capo, dass nochmals der Tristan-Akkord die Sache abrunde. "80 Minuten Wagner, 2 Minuten Liszt", knurrte ein älterer Besucher beim Hinausgehen. Er hat’s tadelnd gemeint, aber die Sache wohl treffend eingeschätzt.

Eine außergewöhnliche Werk-Paarung vor der Pause: Béla Bartók hat Mitte der 1920er Jahre unter dem Titel "Im Freien" fünf Klavierstücke veröffentlicht, scheinbar idyllische Charakterstücke, in Wahrheit ein pianistischer Befreiungsschlag gegen alle Romantizismen. Danach gab sich Levit als gefühlskontrollierter Lyriker in Schumanns "Waldszenen".