Mitunter müssen die letzte Takte einer Aufführung erklungen sein, um dem Klang der ersten Sinn zu verleihen. Für sich genommen gerieten Franz Welser-Möst der erste und teils der zweite Akt von Richard Strauss‘ "Liebe der Danae" im Großen Salzburger Festspielhaus allzu metallisch, gleißend und markant. Bewusste Überzeichnung, wie sich Stunden später erweisen sollte. Denn Welser-Möst brachte am Pult der bestens disponierten Wiener Philharmoniker nicht nur die komplexe Partitur zum Klingen, er erzählte auch mit seiner Interpretation noch eine Geschichte. Die von der Kälte des Goldes, das die Königstochter Danae zu Beginn glühend wie nichts anderes verehrt. Auch Gott Jupiter, der hinter dem verheißungsvollen, traumhaften Goldregen steckt, ist dieser auch musikalisch überirdisch strahlenden Welt zugeordnet. Mit jedem Akt wird die Oper jedoch menschlicher und die erst spröde Danae zu einer innig Liebenden, die sich schließlich gegen die güldene Ewigkeit und für die Segnungen irdischer Liebe entscheidet. Diese Wandlung zeichnet Welser-Möst nach mit seiner Lesart. Mit zunehmender Intimität des Geschehens fahrt er seine orchestralen Geschütze zurück, nimmt Tempo heraus. Sein Strauss ist nie lieblich, er bleibt stets stolz, oft üppig, immer markant. Doch die Metamorphose ist lang, vom gepeitschten, metallischen Beginn bis hin zum zentralen Liebesduett, das er in irdischer Silbrigkeit erstrahlen lässt.

Beseelte Präzision

Die leuchtenden Farben und die beseelte Präzision der Philharmoniker sind dabei wie geschaffen für Welser-Mösts Strauss. Die Sänger deckt er mitunter zu mit diesem überbordenden Orchesterklang. Doch die lyrisch ausdruckstarke Krassimira Stoyanova in der Titelpartie weiß sich stets durchzusetzen. Sie besteht die fordernde Partie nicht nur, sie verleiht ihr bis zuletzt Klarheit und Anmut. Vokal ebenbürtig ist ihr der sonore Tomasz Konieczny als kraftvoller und darstellerisch präsenter Jupiter. Nicht ganz die nötige Strahlkraft entwickelt der Tenor von Gerhard Siegel als Midas.

Ganz im Gegensatz zu Welser-Möst erzählt Regisseur und Bühnenbildner Alvis Hermanis jedoch keine Geschichte. Er inszeniert ein üppiges und prunkvolles Ausstattungsspektakel in ästhetischen, beeindruckenden, jedoch letztlich aussageschwachen und starren Bildern. Um die Handlung kümmert er sich weniger als um die Schauplätze. Personenführung ist da nebensächlich. Und so geht die Geschichte von König Midas, der im Auftrag Jupiters Danaes geheimnisumwobenes Herz erobern soll, sich jedoch als Bote selbst in sie verliebt, fast unter im optischen Bombast. Als sie ihm auch ihre Liebe gesteht, küsst er sie, was sie zu Gold erstarren lässt. Der erboste Jupiter lässt Danae daraufhin die Wahl: zwischen ewigem güldenen Glanz als seine Braut und einem irdischen Leben an der Seite von Midas, der jedoch in den Eselstreiber zurückverwandelt wird, der er vor der Begegnung mit Jupiter war. Danae entsagt dem Gold und wählt die Liebe. Die irdische Liebe siegt über göttlichen Glanz - keine unspannende Geschichte. Sofern man sich für sie interessieren würde. Hermanis und sein Kostümbildner, der litauische Designer Juozas Statkevičius, packen sie in grell-bunte und ausladende orientalische Gewänder, die Turbane der Herren sind gigantisch, die funktionale Treppenbühne wird mit reichen, ebenfalls orientalischen Ornamenten und farbenfrohen Teppichen verziert. Es gibt einen echten Esel und einen unechten Elefanten. Die Tänzerinnen (Choreografie: Alla Sigalova), einmal güldene Statuetten, dann Burka-tragende Weberinnen, bringen vor allem Unruhe.

Ein vielfach glänzender, mitunter prachtvoller Abend, der bleibt wie das viele Gold auf der Bühne: erfüllt von kalter Leidenschaft.