Lässt Beethoven Zeit: Herbert Blomstedt. - © Martin U.K. Lengemann
Lässt Beethoven Zeit: Herbert Blomstedt. - © Martin U.K. Lengemann

Was die Wiener Philharmoniker können, kann das Gewandhausorchester Leipzig auch - und viel länger. Erstere haben in Salzburg, zum zweiten Mal schon, einen Zyklus aus Werken offeriert, die sie einst uraufgeführt haben. Als das Gewandhausorchester Beethovens Fünftes Klavierkonzert aus der Taufe gehoben hat, waren die Wiener Kollegen allerdings noch gar nicht gegründet . . .

Fürs allerletzte Festspielkonzert heuer hat Herbert Blomstedt die selten gespielte Zweite "Leonoren-Ouvertüre" ausgesucht. Die Ohren werden gekitzelt, weil sie der Dritten ja nicht unähnlich ist, aber die vertrauten Themen irgendwie durcheinandergemischt wirken. Das Trompetensolo (im Großen Festspielhaus diesmal keine Fern-, sondern quasi eine direkt aufs Publikum gerichtete Nahtrompete) schmettert gar eine ganz andere Fanfare. So weit, so gut, man könnte sich daran gewöhnen.

An das Fünfte Klavierkonzert musste man sich am Mittwoch auch gewöhnen, ein bisschen jedenfalls. András Schiff war der Solist, und er hält’s bekanntlich mit dem Bösendorfer. Weil beide Herren sich respektabel viel Zeit gelassen haben in den Ecksätzen und man einander nicht drängte, sind viele solistische Details anschaulich zur Geltung gekommen. Etwa die vielen Portato-Formulierungen, mit denen Schiff die Bösendorfer-Eigenheiten herausstellt. Das hat dann weniger Heroisches an sich, als man der Tonart Es-Dur und gerade diesem Werk zuschreibt. Im Rondo dann viel Tänzerisches. Eilig darf man’s freilich nicht haben, wenn sich bekennende "Gestrige" über Beethoven hermachen. Aber warum sollte man das auch am letzten Festspielabend?

Herbert Blomstedt ist seit anderthalb Monaten 89. Wie oft mag er Beethovens Siebente geleitet haben? Dass er sich ebenso versteht auf Ökonomie wie das Gewandhausorchester, dass man also mit der Energie bis zuletzt gut haushielt - wen wundert’s?

Konzert

Gewandhausorchester Leipzig

Salzburg, Großes Festspielhaus