Franz Welser-Möst interpretierte Henzes "Tristan". - © Julia Wesely
Franz Welser-Möst interpretierte Henzes "Tristan". - © Julia Wesely

Vor wenigen Tagen haben Edith Clever und Martin Wuttke in Salzburg aus dem reichhaltigen Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze gelesen. Am Samstag, im letzten Konzert der Wiener Philharmoniker in diesem Festspielsommer, gab’s die Musik dazu. Das Musikstück, in dem Hans Werner Henze seine Beziehung zu Ingeborg Bachmann reflektierte, ist sein "Tristan" für Klavier, Tonbänder und Orchester.

Die Bachmann war 1973 gestorben, "Tristan" ist eine rückblickende Trauermusik. So viel Seelenengagement eines Tonschöpfers war mutig in den 1970er Jahren. Auch die Wahl der Mittel war damals, da der Mainstream in den Bahnen des seriellen Komponierens lief, durchaus gewagt. Da setzte Henze als bekennender "Subjektivist" eine denkbar auffällige Duftnote. Die "Tristan"-Phantasmagorie ist vielleicht eines der Schlüsselwerke der Postmoderne. Und die Hauptsache: Es ist das mit Abstand lyrischste und ausuferndste Klavierkonzert in der ganzen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Igor Levit war für den Solopart verpflichtet. Ein leises, verinnerlichtes, reflektierendes Singen, das sich selten nur in dynamisch nachdrücklichere Werte aufschwingt. Da geht es um die vielen leisen Nuancen, um die Konturen und Schatten. Sinnlich und mit klaren Linien hat Levit das gezeichnet. Dazu ein sattes Streicher-Schwelgen mit allerlei Zitaten und Anspielungen, orchestrale Wildheiten, Tanzmusik-Anklänge. Das war Futter für die Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst.

Diese Musik ist in ihrer postmodernen Hintergründigkeit ganz weit weg von Wagner und passt doch gut zu diesem, in dem Fall: zu vier symphonischen Filetstücken aus der "Götterdämmerung": Süffiger, pastoser, auch genauer gezeichnet im Detail kann man sich einen philharmonischen Abschied aus dem sommerlichen Salzburg gar nicht vorstellen.