Grigor Dimitrow war der Erste. Dass er nicht der Letzte sein würde, konnte man schon am Sonntag, als der Bulgare bekannt gab, einen positiven Sars-CoV-2-Test abgegeben zu haben, erahnen. Am Montag war dann auch Borna Coric dran. Der Kroate hatte bei der Adria-Tour in Zadar, bei deren erster Station eine Woche zuvor Dominic Thiem gewonnen hatte, unter anderem gegen Dimitrow gespielt - wie auch Thiem davor. Und wenngleich der Niederösterreicher beim Ultimate Tennis Showdown in Nizza, bei dem er am Wochenende eine Niederlage gegen Richard Gasquet hinnehmen musste, ehe er am Sonntagabend in dem neuartigen Format gegen Stefanos Tsitsipas mit 3:1 gewann, in Frankreich einen negativen Test abgegeben hatte, beeinflusst das Coronavirus, das spätestens mit den Fällen Dimitrow und Coric auch die davor ambivalent eingestellte Tennis-Szene erreicht hat, auch ihn direkt: zum einen aufgrund des unmittelbar vorangegangenen persönlichen Kontakts - die Bilder von ausgelassenen gemeinsamen Feiern in Belgrad waren um die Welt gegangen -, zum anderen durch die Pläne für seine eigene Veranstaltung "Thiem’s 7", die ab 7. Juli in Kitzbühel in Szene gehen soll. Am Montag hieß es seitens der Veranstalter: "Wenn Grigor Dimitrow und Borna Coric nach 14 Tagen Heimquarantäne ein negatives Testergebnis vorweisen können, spricht von unserer Seite nichts dagegen, dass die beiden Spieler in Kitzbühel aufschlagen können. In den nächsten Tagen werden die jeweiligen Managements über diese Option entscheiden."

Djokovic’ Turnierserie in schiefem Licht

Sollten Dimitrow und Coric nicht in Kitzbühel spielen können, würden die Plätze in Abstimmung mit Dominic und Wolfgang Thiem nachbesetzt werden. Es sei den Veranstaltern "im Zuge des aktuellen Anlassfalls wichtig zu unterstreichen, dass die Sicherheitsmaßnahmen im Zuge der "Thiem’s 7" umfassend und in strenger Abstimmung mit den zuständigen Behörden gehandhabt werden".


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Thiem's 7
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Das Konzept sieht vor, dass alle Spieler und Begleitpersonen unmittelbar nach ihrer Ankunft in Kitzbühel getestet werden. Das Präventionskonzept werde mit den zuständigen Behörden abgestimmt. Für die 500 zugelassenen Zuschauer würden strenge Auflagen gelten, es gebe zugewiesene Sitzplätze, nach Ende der jeweiligen Session müssen die Fans das Stadion zügig verlassen.

Bei der Adria Tour hatte es kaum Hygienemaßnahmen gegeben. Novak Djokovic, der die Veranstaltung ins Leben gerufen hatte, hatte betont, dass alles nach den geltenden Regeln des Landes vonstatten gegangen sei. Allerdings war er schon davor mit fragwürdigen Äußerungen bezüglich des Sicherheitskonzepts für die US Open aufgefallen und hatte einen Boykott des ab 31. August geplanten Grand-Slam-Turniers in Erwägung gezogen.

In Zadar wird nun befürchtet, dass sich das Turnier zu einem neuen Coronavirus-Hotspot entwickelt haben könnte. Der regionale Zivilschutzstab rief bereits am Sonntagabend alle, die mehr als zehn Minuten im engen Kontakt mit Dimitrow waren, dazu auf, sich für 14 Tage in Selbstisolierung zu begeben und Kontakt mit zuständigen Epidemiologen aufzunehmen, berichtete die Nachrichtenagentur Hina. Auf einer Pressekonferenz am Montag hieß es, dass jene, die keinen engen Kontakt mit den infizierten Spielern gehabt hätten, nicht in eine Quarantäne müssen. Das gelte auch für die Zuschauer auf den Tribünen.

Medienberichten zufolge könnten aber viele in Kontakt mit Dimitrow gekommen sein, denn während der fünf Tagen in Zadar nahm er zusammen mit anderen Spielern an mehreren Veranstaltungen teil, etwa einem Basketballspiel mit der Mannschaft des Klubs Zadar sowie einer Kinderveranstaltung, berichtete das Internetportal 24sata.hr. Die Turnierorganisatoren teilten mit, dass es in Zadar auch positive Tests von Marko Paniki, dem Fitnesstrainer von Djokovic, sowie Christian Groh, dem Trainer von Dimitrow, gegeben habe. Der Weltranglistenerste Djokovic soll mittlerweile einen Test gemacht haben, das Ergebnis ist nicht bekannt. Noch am Sonntag hatte Dimitrow gemeint: "Es tut mir wegen aller Umstände leid, die ich verursacht habe." (art)