Wien. Pharmakonzern bringt "Antikörpertests zur Bestimmung des Coronavirus" auf den Markt. Studierende der Wirtschaftsuniversität beginnen "das neue Semester mit einem Schnelltest auf Covid-19". Und das beim Drogeriemarkt Bipa erhältliche Covid-19 Test-Set für zu Hause "wurde nun behördlich anerkannt".

So und ähnlich lauten derzeit die Schlagzeilen zu Corona-Tests. Während die Auswertungen der behördlichen Testungen über die Corona-Hotline 1450 laut Berichten immer noch einige Tage dauern, sollen neue Testverfahren innerhalb von nur 15 Minuten Aufschluss geben, ob jemand infiziert ist. Damit könnte man einen besseren Überblick über das Pandemiegeschehen gewinnen und die Covid-19-Seuche effektiver und schneller bändigen. Positiv Getestete könnten schneller isoliert werden und weniger Menschen anstecken. Doch können die neuen Tests die Hoffnungen erfüllen?

Schnelltest-Kit. - © apa/R. Schlager
Schnelltest-Kit. - © apa/R. Schlager

Jedes Testverfahren hat seine Vor- und Nachteile. Covid-19-Tests fallen in zwei Kategorien: Die erste sind diagnostische Tests, wie PCR oder Antigen-Assays. Sie weisen das Vorhandensein des Erregers Sars-CoV-2 nach und damit meistens, aber immer, die Infektiosität. In diese beiden Kategorien fallen Schnelltests in Teststraßen oder etwa Selbsttests für zu Hause.

Zwei Varianten

Die zweite Variante sind Antikörpertests. Sie spüren jene Moleküle auf, die die Immunsysteme von Infizierten erzeugen, um das Virus zu bekämpfen. Nach einer Ansteckung kann es einige Tage dauern, bis die (im Test ersichtlichen) Antikörper in Aktion treten, jedoch verbleiben sie nach der Genesung wochenlang im Blut und schützen zumindest vorübergehend vor einer erneuten Infektion. In diese Kategorie fällt ein Antikörpertest des Schweizer Konzerns Roche, der die Wirksamkeit möglicher Impfstoffe gegen Covid-19 beurteilen soll. Antikörper-Tests sind aber nicht geeignet, um akute Infekte nachzuweisen.

Beginnen wir also mit den Antigen-Tests, die manche Experten als Game Changer sehen. Anders als PCR-Tests müssen sie nicht im Labor ausgewertet werden und liefern binnen einer halben Stunde Ergebnisse. Laut ihren Herstellern können sie in großen Mengen erzeugt und überall zur Anwendung kommen. Ein Antigen-Test spürt spezifische Proteine auf, die Antigene heißen. Sie kommen auf der Virenoberfläche vor. Wenn sie im Test aufscheinen, tobt Sars-CoV-2 im Körper - die Person ist am Höhepunkt der Infektion und am ansteckendsten. Eines dieser Produkte wurde diese Woche in einem Pilotprojekt in Wien bei Einführungsvorlesungen der Wirtschaftsuni Wien für 3.000 Studierende angeboten. Künftig könnte diese Testform bei größeren Veranstaltungen zum Einsatz kommen.

Typischerweise nehmen bei dem Test Gesundheitsbehörden Proben aus Nase oder Rachen, wobei derzeit auch erste Testkits für Speichelproben entwickelt werden, die zu Hause durchgeführt werden können. Die Probe kommt in eine Lösung, die das Virus auseinanderbricht und die Antigene freisetzt. Auf einem Papierstreifen, der mit einem speziellen Antikörper versehen ist, werden die Antigene sichtbar. Der Preis für die Geschwindigkeit ist die Sensitivität. Anders als der Goldstandard PCR schlagen die Schnelltests nur bei einer sehr hohen Virenlast positiv aus.

Positiv nicht immer infektiös

Ein PCR-Test findet ein einziges Molekül von Viren-RNA in Mikrolitern von Proben. Die Methode der Polymerase Chain Reaction verdoppelt Gen-Sequenzen des Virus in vielen Schritten. Je öfter man diese Schritte wiederholt, desto größer werden die Chancen, virale Erbgut-Spuren zu finden, beziehungsweise, ein positives Messergebnis zu erhalten. Dadurch können Getestete auch dann noch positiv sein, wenn sie nicht mehr infektiös sind. Das Fazit: Antigen-Tests könnten bereits infektiöse Menschen verpassen und PCR-Tests auch jene in Quarantäne schicken, die gar nicht mehr ansteckend sind.


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Experten fordern Massenscreenings

Je länger die Pandemie dauert, umso öfter wird es durch nicht erkannte Covid-19-Infizierte zu vielen kleinen Ausbrüchen kommen, die keinem Cluster zugeordnet werden können. Um dieses "Hintergrundrauschen" möglichst gering zu halten, plädiert eine Gruppe von Experten - die "Arbeitsgruppe Gesundheit und Infektionskurfve" der Forschungsplattform "Covid-19 Future Operations" - für umfassende Screeningprogramme mit Massen-Schnelltests. Damit könnten nicht nur mehr Erkrankte ohne Symptome identifiziert werden, sondern auch die Infektionsrate in besonders sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern oder Altenheimen beobachtet werden, argumentieren sie. •