Ab Mittwoch gibt es in Tschechien angesichts von zuletzt mehr als 8.000 Neuinfektionen pro Tag wieder einen zweiwöchigen teilweisen Lockdown. Bars, Restaurants und Clubs werden bis 3. November geschlossen, auch die meisten Schüler müssen daheim bleiben. Museen und Theater sind bereits seit Montag zu. In der Öffentlichkeit sind Menschenaufläufe verboten, konkret dürfen nicht mehr als sechs Personen zusammenstehen, so Gesundheitsminister Roman Prymula. Außerdem herrscht ein Alkoholverbot an öffentlichen Plätzen, und Masken sind auch an den Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel zu tragen. Die Geschäfte bleiben geöffnet. "Wir haben nur einen Versuch, der erfolgreich sein muss, damit wir als Nation diese Pandemie beherrschen", sagte Regierungschef Andrej Babis am Montag.

Das Nachbarland Slowakei stellt die Oberstufe ab Dienstag auf Heimunterricht um. Restaurants dürfen nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten, und Großveranstaltungen - auch private - sind vorerst verboten.

"Wir müssen handeln, um Leben zu retten"

Alkohol darf in vielen englischen Pubs und Bars jetzt nur noch gemeinsam mit Speisen ausgeschenkt werden. In Tschechien müssen Lokale ganz schließen. - © AFP
Alkohol darf in vielen englischen Pubs und Bars jetzt nur noch gemeinsam mit Speisen ausgeschenkt werden. In Tschechien müssen Lokale ganz schließen. - © AFP

Keinen Lockdown, aber verschärfte Maßnahmen gibt es auch in Großbritannien. Nachdem die Zahl der Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden um 1.100 auf 13.972 am Montag gestiegen ist, sollen in den besonders betroffenen Regionen in England Pubs und Bars geschlossen werden. Ausnahmen gibt es nur, wenn sie "vollwertige Mahlzeiten" anbieten, wie es Premier Boris Johnson formulierte, also etwa Mittags- oder Abendmenüs. Alkohol darf nur gemeinsam mit Speisen ausgeschenkt werden.

Auch Fitnessstudios und Wettbüros sollten ihren Betrieb einstellen, sagte Johnson am Montag im Parlament. "Wir müssen handeln, um Leben zu retten", sagte Johnson, der wegen des Umgangs mit der Pandemie in der Kritik steht. Derzeit treffe die höchste Warnstufe aber nur für die Region Merseyside um die Stadt Liverpool im Norden Englands zu. Einen erneuten landesweiten Lockdown strebe er nicht an.

Mit dem Vorschlag soll das Vorgehen in der Krise nachvollziehbarer und einheitlicher werden. Die Abgeordneten müssen ihm noch zustimmen. Gesundheitsexperten zufolge steigt die Zahl der Corona-Infektionen derzeit vor allem im Norden Englands und in einigen Gebieten im Süden des Landes an. Zugleich infizierten sich wieder vermehrt ältere Menschen, bei denen das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs höher ist.

Johnsons medizinischer Chefberater Chris Whitty forderte die lokalen Behörden auf, bei Bedarf noch schärfere Maßnahmen durchzusetzen, um die Pandemie einzudämmen. Nur das Notwendigste zu tun sei jedenfalls zu wenig.

Neuer Höchststand bei Intensivpatienten in Frankreich seit Mai

Unterdessen verzeichnet Frankreich bei den Covid-19-Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden müssen, einen Anstieg, wie es ihn seit vier Monaten nicht mehr gegeben hat. Am Montag lag die Zahl der Corona-Intensivpatienten laut den Behörden mit 1.539 erstmals seit dem 27. Mai wieder über der Marke von 1.500. Sie ist aber noch deutlich vom bisherigen Höchststand von 7.148 vom 8. April entfernt. Frankreich stehe, gleichwohl vor einer "starken zweiten Welle", meinte Premier Jean Castex.

Die Zahl der Neuinfektionen in den USA hingegen geht leicht zurück, wenngleich auf hohem Niveau. Zuletzt gab es laut Angaben der Seuchenschutzbehörden CDC 46.069 neue Fälle, nach rund 53.000 am Sonntag, 58.302 am Samstag und 54.887 am Freitag. Die Gesamtzahl steigt damit auf rund 7,74 Millionen. Die Zahl der Toten kletterte um 494 auf 24.108.(reuters)