Die USA haben die Marke von elf Millionen Corona-Infektionen überschritten. Das ging am Sonntag aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor. Eine Million Fälle kam in weniger als einer Woche dazu: Zehn Millionen waren erst am vergangenen Montag erreicht worden. Zuletzt hatte die Zahl der Neuinfektionen mit mehr als 177.000 an einem Tag erneut einen Rekordstand erreicht.

In rund der Hälfte der 50 Bundesstaaten sind auch die Einweisungen in Krankenhäuser auf einem Höchststand. In den USA starben bisher gut 246.000 Menschen an der Krankheit Covid-19. Der Mediziner Jonathan Reiner von der George Washington Universität warnte im Nachrichtensender CNN am Sonntag, dass in wenigen Wochen täglich erst 2000 und dann 3000 Erkrankte sterben würden, wenn man nicht umgehend Maßnahmen wie eine Maskenpflicht umsetze.

Biden-Experte: Skalpell statt Axt

Die Regierung des künftigen US-Präsidenten Joe Biden will in ihrem Kampf gegen die Corona-Pandemie durch gezielte Maßnahmen breite Lockdowns vermeiden. "Wir haben Ansätze mit der Präzision eines Skalpells statt der rohen Kraft einer Axt", sagte Vivek Murthy, einer der Co-Chefs des Coronavirus-Expertenrats von Biden, dem TV-Sender Fox am Sonntag.

Präsident Donald Trump versuchte im Wahlkampf, den Wählern Angst mit der Aussicht auf landesweite Lockdowns unter Biden einzujagen. Unterdessen gerät die Corona-Situation in den USA immer mehr außer Kontrolle. Am Sonntag wurde die Marke von elf Millionen Infektionen seit Beginn der Pandemie überschritten. Eine Million Fälle kam in nur sechs Tagen dazu.

Mehrere Bundesstaaten verschärften am Wochenende Corona-Maßnahmen wie Maskenpflicht und die Schließung einiger Geschäfte. So dürfen in Michigan Restaurants vorerst nur noch außer Haus verkaufen und wer kann, soll von Zuhause aus arbeiten.

Trump verwies zuletzt unterdessen lediglich darauf, dass Covid-19 inzwischen besser behandelt werden könne und es bald Impfstoffe geben werde. Am Samstag und Sonntag spielte er Golf und twitterte weiter über seine unbelegten Vorwürfe, dass ihm die Präsidentenwahl durch Wahlbetrug zu Gunsten Bidens gestohlen worden sei.

Viel Zeit bis zur Machtübergabe

Die Machtübergabe an Biden ist erst am 20. Jänner. Einige US-Experten befürchten, dass sich die Lage der Pandemie bis dahin so sehr verschlechtern könnte, dass harte Maßnahmen notwendig sein werden. Biden-Berater Murthy betonte, dass er Lockdowns als "letzten Ausweg" betrachte. Inzwischen wissen man mehr über das Virus und seine Verbreitungswege als im Frühjahr. Das ermögliche es, gezielter als bei den damaligen groß angelegten Schließungen von Geschäften und Unternehmen vorzugehen. (apa, reuters)